
Hütte und Stube
Essen & Brauchtum
Zu welchen Gerichten passt ein Obstler? In Tirol zu dem, was auf der Hütte auf den Tisch kommt: Tiroler Gröstl mit Kartoffeln, Fleisch und Spiegelei, Kaspressknödel in der Suppe, Speck und Bergkäse. Ein kleiner Obstler am Ende des Essens gehört in der Hütte zum Ritual, und in Osttirol schenkt man dazu gern einen Pregler aus der Gegend ein.
Süßes bringt eine andere Stimmung. Zu Kiachl, dem schwimmend gebackenen Schmalzgebäck, und zu Kaiserschmarrn passt ein klarer Brand, der die Süße kürzt, wie ein Apfelbrand oder ein Pregler. Zu einem fetten Gröstl kann ein trockener Vogelbeerbrand dagegenhalten.
Hilft ein Schnaps nach dem Essen der Verdauung? Messungen sprechen dagegen, denn Alkohol verzögert die Magenentleerung. Die Erleichterung danach kommt von der Entspannung, nicht von der Verdauung. Wer nach Gröstl oder Speck mit Bergkäse einen Obstler trinkt, spürt vor allem die Ruhe der Hütte, nicht einen schnelleren Magen.
Zum Brauchtum gehört die Brennsaison. Im Winter wird gebrannt, im Herbst wird gerüstet, und die Tiroler Schnapsroute lädt dazu ein, den Betrieben bei der Arbeit zuzusehen. Hausbrand und Schnapsroute gehören zusammen, weil beides von denselben Höfen kommt.
In der Wildschönau erzählt man vom kaiserlichen Vorrecht der 51 Höfe und von der Rübe, die nur dort Schnaps werden darf. Der Krautinger ist ein Brand, über den man spricht, ehe man ihn probiert, und er gilt als Sinnbild für das Eigenwillige der Tiroler Brennkultur.