
Raclette und Brand
Essen & Brauchtum
Das Wallis ist Raclette-Land. Der Raclette du Valais AOP entsteht aus Rohmilch, die zweimal täglich in die Käserei kommt und im Kupferkessel verarbeitet wird; Silofutter für die Kühe ist verboten. Ein Laib wiegt etwa sechs Kilogramm. Zum geschmolzenen Käse gehören Pellkartoffeln, Essiggurken und Silberzwiebeln, dazu Walliser Roggenbrot und Trockenfleisch.
Zu so einem Essen passt ein Obstbrand, weil er mit Fruchtklarheit gegen das Fett des Käses steht. Ein Birnenbrand wie die Williamine bringt Frische, die Abricotine hat genug Wärme, um nach Käse und Brot im Glas zu bestehen. Das ist Geschmackssache und keine Regel, und es bleibt bei einem kleinen Glas.
Wie steht es mit der Verdauung? Hilft ein Schnaps nach dem Essen? Eher nicht, denn mit Alkohol leert sich der Magen langsamer. Das Gefühl der Erleichterung kommt von der Entspannung, nicht von einer schnelleren Verdauung. Auch nach Raclette und Käse bleibt das kleine Glas ein Abschluss des Abends, kein Mittel für den Magen.
Süß wird es mit der Aprikose. Frische Walliser Aprikosen kommen im Sommer auf den Markt, aus ihnen entstehen Konfitüre, Kuchen und Wähen. Ein Glas Abricotine daneben ergibt eine klare Verbindung: dieselbe Frucht, einmal weich gebacken, einmal destilliert.
Zum Schluss ein Wort zur Vorsicht: Obstbrand ist ein Genussmittel mit mindestens 40 Prozent Alkohol, nichts für Kinder, Schwangere oder Autofahrer. Brauchtum ist im Wallis, was am Tisch geschieht: erst die Käseplatte, dann das kleine Glas, dann Gespräch.