
Laneway-Bar seit 1997
Trinkkultur
Melbourne trinkt Gin oft dort, wo man ihn kaum vermutet: in schmalen Gassen, hinter unscheinbaren Türen. Die Gin Palace in der Russell Place eröffnete 1997 unter Vernon Chalker. Sie gilt als eine der ersten Laneway-Bars der Stadt. Möglich wurde das erst, weil Victoria kurz zuvor seine strengen Lizenzregeln gelockert hatte. Kleine, intime Bars waren davor undenkbar gewesen. Auch die Schwesterbar Ampere direkt daneben gehört seit 2011 zu diesem Ensemble.
Samtsofas und gedämpftes Licht prägen den Raum bis heute. Der erklärte Anspruch ist, das Lebensgefühl der Goldrausch-Ära der 1850er-Jahre nachzuempfinden. Als die Bar öffnete, gab es in Australien vielleicht fünfzehn Gin-Marken zu kaufen. Inzwischen listet sie über zweihundert. Sie nennt sich selbst die größte Gin-Auswahl der südlichen Hemisphäre.
Von dort aus verbreitete sich ein Muster, das man in vielen Ecken der Stadt wiederfindet. Kleine Bars mit langer Getränkekarte ersetzten große Lokale mit kurzer Karte. Barkeeper gießen einen Gin Tonic dort nicht einfach ein. Sie wählen nach der Machart des jeweiligen Gins ein passendes Glas. Bei Kräuternoten wie Zitronenmyrte greifen sie zur schlanken Copita, damit Eis sie nicht erschlägt. Brauchen Wacholder und Zitrus Platz zum Atmen, kommt das große Ballonglas zum Einsatz.
Die Stadt selbst trägt zu dieser Kultur bei. Melbournes Ruf als Kaffeestadt prägte dieselben Gassen, die heute Bars beherbergen. Tagsüber Espresso, abends Gin auszuschenken, ist in vielen Lokalen derselbe Ort, nur zu anderer Stunde. Wer die beiden Regionen verbindet, reist oft am selben Tag von den Brennereien in Healesville in die Bars der Innenstadt.