
Drei Yarra-Gins
Verkosten
Wer einen Yarra-Valley-Gin zum ersten Mal probiert, sollte ihn pur und ohne Eis versuchen. Am besten passt ein kleines Glas bei Zimmertemperatur, mit Wasser daneben zum Nachspülen der Nase. So lassen sich die Schichten trennen, die bei Tonic-Wasser oft verschwimmen.
Der Rare Dry Gin von Four Pillars öffnet mit klassischem Wacholder und Zitrusschale. Danach schickt die tasmanische Pfefferbeere eine warme, fast pfeffrige Schärfe hinterher. Sie bleibt länger im Mund als bei europäischen Gins, ein direkter Fingerabdruck des australischen Buschs.
Die Bloody Shiraz Gin derselben Brennerei schmeckt dagegen zuerst nach Frucht. Acht Wochen im Kontakt mit Shiraz-Trauben geben ihr eine tiefrote Farbe. Dazu kommen Aromen von Beeren und leichtem Tannin, die den Wacholder in den Hintergrund drängen, ohne ihn ganz zu verdecken. Der Melbourne Dry Gin der Melbourne Gin Company setzt dagegen auf Weichheit. Durch die getrennte Destillation jedes Botanicals wirkt er runder, mit Sandelholz und Honigmyrte im Abgang.
Alle drei zeigen, wie unterschiedlich sich derselbe Grundgedanke auslegen lässt: Wacholder plus lokale Botanicals. Bei Four Pillars wirkt das schärfer und buschiger, bei der Melbourne Gin Company weicher und blumiger. Wer die drei nacheinander probiert, schmeckt praktisch die Bandbreite dessen, was Victoria unter Gin versteht, ohne dass ein Tropfen Tonic dazwischenkommt.
Beim Verkosten hilft ein kurzer erster Schluck, der nur die Zungenspitze benetzt. Erst der zweite, etwas größere Schluck zeigt, wie lange die Aromen im Abgang bleiben. Zwischen den drei Gins lohnt sich eine Pause mit Wasser, damit die Zunge nicht ermüdet und jede Probe für sich wirkt.