
Graanjenever & Fabriken
Region & Geschichte
Wer im neunzehnten Jahrhundert durch Hasselt ging, roch die Stadt, bevor er sie sah. Über siebzig Brennereien verarbeiteten hier Roggen und Gerste zu Graanjenever, und die Jeneverproduktion war der wichtigste Industriezweig der ganzen Provinz Limburg. In den engen Gassen der Altstadt standen Dampfkessel neben Mälzereien und Lagerkellern, oft nur eine Häuserreihe voneinander entfernt.
Von dieser Zeit erzählt heute das Jenevermuseum in der Witte Nonnenstraat. Das Gebäude war die Brennerei Stellingwerff/Theunissen und wurde 1975 als erstes Industriedenkmal Belgiens unter Schutz gestellt. Seit 1987 zeigt das Museum, wie aus Getreide, Wasser und Wacholder ein Getränk wurde, das ganze Straßenzüge ernährte.
Dann kam der Bruch. 1919 verabschiedete das belgische Parlament das Gesetz Vandervelde, benannt nach dem Politiker Emile Vandervelde. Es verbot den Ausschank von Schnaps in Cafés und erlaubte den Verkauf nur noch in Flaschen ab zwei Litern, offiziell gegen den Alkoholismus der Arbeiter. Für Hasselt bedeutete das den Anfang vom Ende der offenen Trinkkultur, und ein Schwarzmarkt entstand, der bis zur Aufhebung des Gesetzes 1983 nie ganz verschwand.
Die Brennerei Smeets zeigt, wie eng es danach wurde. Gerard Smeets gründete sein Geschäft 1923, bekam aber erst 1950 eine offizielle Brennerlaubnis, so streng waren die Auflagen inzwischen geworden. 2013 schloss die Brennerei endgültig, das Gebäude wurde zu einem Einkaufszentrum umgebaut, der Markenname Smeets lebt in den Flaschen anderer Hersteller weiter.
Geblieben ist der Stolz. Seit 1997 ist Hasseltse Graanjenever in Belgien als geschützte Angabe anerkannt, seit 2007 auch auf europäischer Ebene. Die Confrérie van de Hasseltse Jenever pflegt das Wissen der alten Brenner, und einmal im Jahr holt die Stadt mit den Jeneverfeesten die Geschichte zurück auf die Straße.