
Wacholder & Moutwijn
Botanicals
Gin lebt von einem ganzen Korb an Kräutern und Schalen. Jenever braucht davon viel weniger. Der Wacholder muss hier nicht gegen ein Dutzend andere Aromen ankämpfen. Rechtlich reicht schon die Zugabe von Wacholderbeeren oder ihrem Destillat. In Hasselt war das über Jahrhunderte die einzige feste Regel neben der Getreidebasis.
Den eigentlichen Geschmack liefert nicht der Wacholder, sondern das Getreide. Roggen und Gerste werden gemälzt und vergoren. Daraus brennen die Betriebe den sogenannten Moutwijn, einen Malzwein mit viel Eigengeschmack. Neutraler Alkohol, wie ihn klassischer Gin als Basis nutzt, schmeckt dagegen fast nach nichts. Der Moutwijn schmeckt brotig, leicht nussig und manchmal ein wenig süßlich, noch bevor überhaupt Wacholder dazukommt.
Das Getreide selbst stammt oft aus der Haspengouw, der fruchtbaren Hügellandschaft südlich von Hasselt. Dort liegt tiefer, kalkhaltiger Lössboden, gut für Roggen und Wintergerste. Der Wacholder dagegen wächst hier nirgends wild in nennenswerter Menge. Wie fast alle Brenner Europas kauften auch die Limburger Betriebe die getrockneten Beeren zu, meist aus wärmeren, südlicheren Lagen. In Hasselt kam so ein feiner, harziger Ton zum mehligen Charakter des Moutwijns dazu, ohne ihn zu überdecken.
So bleibt der Wacholder in einer echten Graanjenever eher ein leiser Begleiter. Den Hauptdarsteller, den man aus London-Dry-Gin kennt, gibt er hier nicht ab. Auch Filliers in Ostflandern, Belgiens größter Jenever-Hersteller, setzt auf dasselbe Prinzip: erst das Getreide, dann der Wacholder. Wer eine Hasseltse Jenever probiert, schmeckt zuerst das Korn und erst im Abgang das harzige Kraut.
Dunkler, kalkhaltiger Lössboden der Haspengouw, locker und humusreich.
Die Wurzel: Roggen und Gerste verwurzeln hier schnell und dicht.