
Kopstoot & Borrelmanneke
Trinkkultur
Getrunken wird Hasseltse Jenever traditionell eiskalt, direkt aus dem Gefrierfach, serviert in einem kleinen, tulpenförmigen Gläschen, das randvoll gefüllt wird. Der erste Schluck gehört ohne Hände genommen, der Oberkörper beugt sich vor, direkt zum Tischrand, damit kein Tropfen verschüttet wird. Das ist keine Marotte, sondern in Flandern und den Niederlanden weithin geübte Etikette.
Wer dazu ein Pils bestellt, trinkt einen Kopstoot, wörtlich einen Kopfstoß: das kühle Bier folgt gleich nach dem scharfen Jenever. Diese Kombination ist in Kneipen der ganzen Region üblich. Eigene Ginpaläste im Londoner Sinn gab es in Hasselt nicht, dafür Brennereikneipen direkt neben den Fabriken, in denen Arbeiter ihren Lohn manchmal schon vor Feierabend vertranken. Diese Nähe zwischen Kneipe und Fabrik prägte den Alltag vieler Hasselter Familien über Generationen.
Höhepunkt des Jahres sind die Jeneverfeesten, seit 1991 jedes Jahr am dritten Oktoberwochenende. Um sechzehn Uhr beginnt das Wahrzeichen des Festes: Aus dem Brunnen Borrelmanneke fließt für eine Stunde echte Jenever, kostenlos für jeden mit eigenem Glas. Dazu gehören Umzüge, ein Kellnerlauf durch die Innenstadt und feierliche Aufnahmen neuer Mitglieder in die Confrérie van de Hasseltse Jenever.
Diese Bruderschaft hält das Ritual das ganze Jahr über am Leben, mit eigenen Trachten und Titeln, die an die alten Brennerfamilien erinnern. Für die Hasselter ist Jenever damit weniger ein Getränk zum Anstoßen als ein Stück Stadtidentität, das einmal im Jahr laut gefeiert wird.