
Malzig & Erdig
Verkosten
Eine echte Hasseltse Graanjenever schmeckt zunächst nach Brot, nicht nach Wacholder. Der Moutwijn bringt malzige, leicht nussige Töne mit. Bei gereiften Varianten kommt manchmal ein Hauch Karamell dazu. Erst im Abgang wird das harzige Kraut überhaupt bemerkbar. Das unterscheidet die Verkostung deutlich von einem London Dry Gin, bei dem Wacholder und Zitrus meist sofort vorne stehen. Man kann die Jenever fast wie einen Kornbrand riechen, bevor überhaupt Alkohol in die Nase steigt.
Als Beispiel lohnt sich die Oude Graanjenever von Filliers aus Deinze. Sie zeigt eine deutliche Fassnote und einen runden, fast whiskyartigen Körper. Daneben lohnt sich eine Jenever der Marke Smeets, heute unter anderer Regie weitergeführt. Sie zeigt den klassischen, etwas leichteren Hasselter Stil, wie er historisch in der Stadt selbst gebrannt wurde. Beide Flaschen sind in Belgien und über spezialisierte Händler auch international erhältlich.
Zum Probieren reicht ein kleines, schmales Glas. Gekühlt sollte es sein, aber nicht zwingend aus dem Gefrierfach, wenn man feinere Aromen erschmecken will. Ein erster Schluck ohne vorheriges Schwenken zeigt am ehesten, wie viel Malzwein tatsächlich in der Flasche steckt. Zu starkes Kühlen betäubt genau diese Nuancen, und so bleibt die Zunge frei für die feinen Unterschiede zwischen Charge und Reifegrad.
Wer Gin und Jenever im direkten Vergleich probiert, merkt schnell den Unterschied in der Grundidee. Gin destilliert Aromen auf einen neutralen Alkohol. Jenever bringt den Geschmack schon aus dem Getreide selbst mit. Zwei Wege zum selben Wacholderaroma, mit ganz unterschiedlichem Ausgangspunkt, und genau dieser Unterschied macht die Verkostung so lehrreich.