
Der wilde Affe
Region & Geschichte
Im Gasthof „Zum wilden Affen“ in Loßburg beginnt die Geschichte, die den Schwarzwald zur Gin-Adresse machte. Der britische Commander Montgomery Collins ließ sich 1951 aus Liebe im Nordschwarzwald nieder. Er eröffnete dort einen Landgasthof und benannte ihn nach einem Javaneraffen namens Max. Für das Tier hatte er im Berliner Zoo eine Patenschaft übernommen. Mit einem örtlichen Brenner soll Collins eine eigene Ginrezeptur entwickelt haben. Über Jahrzehnte geriet sie fast in Vergessenheit.
Erst als der Unternehmer Alexander Stein Jahre später auf Aufzeichnungen zu dieser alten Rezeptur stieß, nahm die Sache wieder Fahrt auf. Zusammen mit dem Destillateur Christoph Keller gründete er die Brennerei Black Forest Distillers in Loßburg. 2009 brachten sie den Monkey 47 Schwarzwald Dry Gin auf den Markt. Der Name verweist auf 47 Botanicals und auf 47 Volumenprozent Alkohol.
Zwei Jahre später wählte die Jury der International Wine & Spirit Competition den Loßburger Gin bei einer Blindverkostung zum besten Gin der Welt. Für ein Dorf im Nordschwarzwald war das ein Ritterschlag. Bis dahin kannte man die Region eher für Kuckucksuhren und Kirschwasser. Plötzlich richtete sich internationale Aufmerksamkeit auf einen Ort, den kaum jemand kannte.
Der deutsche Gin-Boom, der nach 2010 einsetzte, traf im Schwarzwald auf einen Boden, der längst vorbereitet war. In der Region brennen seit Generationen Kleinbrenner und Abfindungsbrenner Obstwasser aus eigenem Steinobst. Oft ist das Ergebnis nur für den eigenen Keller oder den Hofladen nebenan gedacht. Dieses Handwerk kennt sich mit Mengen, Temperaturen und der Geduld des Nachbrands aus. Es ließ sich auf Gin übertragen, ohne dass jemand bei null anfangen musste.
Heute führt Black Forest Distillers, mittlerweile Teil des französischen Konzerns Pernod Ricard, durch die Brennerei in Loßburg. Besucher sehen dort, wie aus Wacholder, Waldkräutern und Quellwasser jene Mischung entsteht, die den Namen der Region längst in Bars rund um die Welt trägt.