
Docks & Navy
Region & Geschichte
Am Kai der Barbican liegt das älteste Hafenviertel von Plymouth. Hier steht ein Gebäude, das älter ist als jede Gin-Brennerei Englands. Die Black Friars Distillery in der Southside Street geht im Kern auf das Jahr 1431 zurück. Der Name erinnert an die Schwarzen Mönche des Dominikanerordens, die hier gewohnt haben sollen. Belegt ist das allerdings nicht sicher.
Sicher belegt ist ein anderes Kapitel. 1620 verbrachten die Pilgrim Fathers ihre letzte Nacht auf englischem Boden im Refektorium des Gebäudes. Danach brachen sie von den Mayflower Steps aus nach Amerika auf. Erst 1793 begann in denselben Mauern das Brennen von Gin. Damals ging die Familie Coates mit dem bestehenden Betrieb von Fox & Williamson zusammen.
Von da an war die Geschichte der Brennerei eng mit dem Hafen und der Royal Navy verknüpft. Schon im 19. Jahrhundert belieferte Coates & Co die Flotte mit Gin in Fassstärke. Um 1850 waren es über tausend Fässer im Jahr. Neu in Dienst gestellte Schiffe bekamen ein hölzernes „Commissioning Kit“ an Bord, mit zwei Flaschen Plymouth Gin und passenden Gläsern. Diese Tradition reichte weit ins 20. Jahrhundert hinein.
Die Brennerei überstand Kriege, Eigentümerwechsel und den Niedergang der Werftstadt, ohne den Standort zu wechseln. Bis heute wird hier gebrannt, im selben Gebäude wie 1793. Das macht Plymouth zur einzigen Stadt Englands, in der eine historische Gin-Marke ununterbrochen an ihrem Ursprungsort produziert wird.
Heute ist die Distillery zugleich Museum, Besucherort und Arbeitsstätte. Wer durch die alten Gewölbe geht, läuft an alten Brennblasen vorbei und an Fässern, die noch nach Navy Strength riechen. Draußen laufen die Fischerboote von Sutton Harbour aus, fast so wie vor über zweihundert Jahren.