
Boom nach 2014
Region & Geschichte
Irischer Whiskey hat Jahrhunderte Geschichte, irischer Gin ist dagegen ein junges Kapitel. Es beginnt erst richtig nach 2014, als die Insel gerade vier arbeitende Brennereien zählte. Die meisten davon waren auf Whiskey ausgelegt. Danach folgte eine der schnellsten Gründungswellen der europäischen Spirituosenszene. Gin stand fast überall am Anfang, denn er braucht keine jahrelange Fasslagerung.
In Drumshanbo, einem kleinen Ort in der Grafschaft Leitrim, eröffnete PJ Rigney 2014 mit seiner Frau Denise The Shed Distillery. Es war die erste Brennerei der Gegend seit über hundert Jahren. Rigney war zuvor jahrzehntelang gereist, unter anderem entlang alter Tee- und Gewürzrouten in Asien. Sein Drumshanbo Gunpowder Irish Gin verbindet chinesischen Gunpowder-Grüntee mit Mädesüß aus den Wiesen um Drumshanbo.
Etwas früher, 2012, gründeten Oliver Hughes, Liam LaHart und Peter Mosley die Dingle Distillery. Die drei waren erfahrene Bierbrauer aus Dublin. Ihre Brennerei liegt in einer ehemaligen Sägemühle bei Milltown, nahe Dingle in der Grafschaft Kerry. Ihr Dingle Gin wurde zum Aushängeschild einer Halbinsel, die vorher kaum jemand mit Spirituosen verband.
In den Wicklow Mountains südlich von Dublin entstand 2011 die Glendalough Distillery. Sie beschäftigt nach eigenen Angaben mit Geraldine Kavanagh Irlands einzige hauptberufliche Wildkräutersammlerin. Sie zieht täglich durch die Berge und bringt Botanicals für den Gin mit. Weiter westlich, vor der Küste von Mayo, liegt Achill Island, Irlands größte Insel. Ihre Moore und Klippen zeigen, wie eng Landschaft und Geschmack hier zusammenhängen.
Die Zahlen belegen das Tempo. Aus vier Brennereien 2014 wurden bis 2019 rund fünfzig irische Gin-Marken in 32 Grafschaften. Der irische Gin-Absatz wuchs zwischen 2014 und 2020 um etwa 184 Prozent. Sein Anteil am Spirituosenmarkt stieg von rund 5 auf 13 Prozent. Der englische Gin Craze des 18. Jahrhunderts entstand aus billigem Wacholderbrand und Elend. Der irische Boom war von Anfang an ein Handwerksprojekt kleiner Teams.
Whiskey bleibt das Rückgrat der meisten dieser Häuser. Er lagert oft noch Jahre, während der Gin schon Umsatz bringt. Genau darin liegt die irische Eigenheit. Gin ist die Werkstatt, in der junge Brennereien zeigen, was sie können, bevor der erste Whiskey überhaupt reif ist.