
Regen und Moor
Wasser & Klima
Irland ist eine der regenreichsten Inseln Europas. Genau dieser Überfluss prägt, wie Brennereien an ihr Wasser kommen. Statt aus tiefen Kalkbrunnen wie in manchen Whiskyregionen holen viele irische Häuser ihr Wasser aus Quellen. Diese wurden vorher durch Torf und Granit gefiltert.
In den Wicklow Mountains, wo Glendalough seinen Sitz hat, bestehen die Berge aus Granit. Der gibt kaum Mineralien ab. Das Wasser aus den Hängen gilt deshalb als weich, mit sehr wenig Kalk. Weiches Wasser lässt einen Gin beim Herabsetzen auf Trinkstärke klarer wirken. Es verändert das Mundgefühl kaum, weil es selbst wenig Eigengeschmack mitbringt.
Auf der Halbinsel Dingle in Kerry trifft der Regen vom Atlantik zuerst auf die Berge. Er sammelt sich in schnellen, kühlen Bächen, bevor er ins Meer läuft. Das feuchte, ständig windige Klima der Halbinsel lässt Botanicals wie Fuchsie und Moorgagel praller und aromatischer wachsen als im geschützteren Landesinneren.
In Leitrim, wo The Shed Distillery ihren Sitz hat, prägen ausgedehnte Moore und kleine Seen die Landschaft. Wasser, das durch Torf gesickert ist, kann eine leicht bräunliche Färbung und einen erdigen Unterton mitbringen. Deshalb wird es vor der Verwendung meist gefiltert, damit es den Gin nicht verfärbt.
Beim Herabsetzen von Brennstärke auf Trinkstärke, meist zwischen 40 und 43 Prozent, entscheidet die Wasserqualität mit darüber, ob ein Gin trübe wird. Öle aus Botanicals wie Angelikawurzel oder Fuchsienblüten lösen sich gut in hochprozentigem Alkohol. Bei zu schnellem oder zu kaltem Verdünnen können sie aber ausflocken. Brennereien vermeiden das mit ruhigem, temperiertem Wasser.
So bleibt das irische Klima weit mehr als Kulisse. Der viele Regen speist die Quellen, aus denen der Gin am Ende verdünnt wird. Dieselbe Feuchtigkeit lässt die Pflanzen wachsen, die vorher in derselben Blase mitgebrannt wurden.