
Kupfer und Dampf
Brennen & Destillieren
Die meisten irischen Gin-Brennereien setzen auf kupferne Pot Stills. Oft sind es dieselben oder baugleiche Blasen, in denen später auch Whiskey entsteht. Kupfer bindet beim Brennen schweflige, unangenehme Aromen und macht den Brand dadurch runder. Brenner nutzen diesen Effekt seit Jahrhunderten, ohne die genaue Chemie zu kennen.
The Shed Distillery in Drumshanbo mazeriert acht ihrer zwölf Botanicals mehrere Stunden in Alkohol. Danach werden sie langsam in mittelalterlich anmutenden Kupferblasen destilliert. Vier weitere Botanicals kommen per Dampfkorb dazu, einem Siebkorb im oberen Teil der Blase. Heißer Alkoholdampf streicht hindurch und nimmt nur die flüchtigen, feinen Aromen mit.
Bei Dingle Distillery in Kerry werden die Botanicals nach eigenen Angaben etwa 24 Stunden in neutralem Alkohol eingelegt. Danach wird die Charge in kleinen 500-Liter-Blasen gebrannt. Wahlweise kommt zusätzlich ein Dampfkorb zum Einsatz, wenn ein zartes Aroma wie das der Fuchsienblüte erhalten bleiben soll.
Glendalough in den Wicklow Mountains destilliert in kleinen Batches. Die täglich frisch gesammelten Wildkräuter sind nicht lange haltbar. Die kurze Zeit zwischen Ernte und Blase gilt der Brennerei als entscheidend. Nur so gelangen zarte Noten wie Sauerampfer oder Holunderblüte überhaupt in den fertigen Gin.
Fast alle Häuser arbeiten One-Shot. Sämtliche Botanicals werden in einem einzigen Brennvorgang auf die fertige Rezeptur gebracht. Anschließend wird nur noch mit Wasser auf Trinkstärke verdünnt, meist zwischen 40 und 43 Prozent Volumenanteil. Ein Konzentrat, erst kurz vor der Abfüllung gestreckt, bleibt in der irischen Craft-Szene die Ausnahme.
Der Basisalkohol stammt in aller Regel aus neutralem Getreidebrand, oft aus irischer Gerste. Viele Gin-Brennereien stellen ohnehin Whiskey her und nutzen dieselbe Rohware. Das verbindet beide Spirituosen technisch, auch wenn am Ende ein ganz anderes Getränk in der Flasche landet.