Region & Geschichte in der Region Toskana & Umbrien

Wacholder für London

Region & Geschichte

Wer an toskanischen Alkohol denkt, denkt an Wein und Grappa. Gin dagegen war hier lange kein Produkt, sondern eine Zutat, die man verkaufte, statt sie selbst zu brennen. Im Apennin, dort wo Toskana, Umbrien und die Abruzzen aneinandergrenzen, wächst wilder Wacholder in einer Qualität, die englische Brennereien seit Jahrzehnten schätzen. Portobello Road Gin und Berry Bros & Rudds No. 3 London Dry Gin beziehen bis heute toskanischen Wacholder, geerntet von Hand nach einer alten Methode, bei der man die Zweige über einem Tuch ausschlägt, statt die Beeren einzeln zu pflücken.

Erst im vergangenen Jahrzehnt begannen Familien in der Region, aus diesem Rohstoff ein eigenes Produkt zu machen. 2015 gründete die Familie Sabatini in Teccognano, einem Weiler bei Cortona in der Provinz Arezzo, die Firma Teccognano S.r.l. und holte sich mit Charles Maxwell von Thames Distillers einen englischen Ginmacher an den Tisch, der die Rezeptur der Botanicals mitentwickelte.

Zwei Jahre später zog Patrick Hoffer, ein Engländer, der nach Florenz gezogen war, mit seinem Freund Patrizio Pandolfi auf dessen Familiengut Podere Castellare in Pelago in den toskanischen Hügeln los. Aus der Idee wurde Peter in Florence, benannt nach Hoffers Vater. Beide Betriebe bauen einen Teil ihrer Botanicals selbst an oder sammeln sie auf dem eigenen Grund, statt sie zuzukaufen.

Florenz selbst hat mit Gin eine andere, ältere Verbindung: die Legende um den Negroni, angeblich 1919 im Caffè Casoni erfunden. Ob die Geschichte um Graf Camillo Negroni stimmt, ist unter Barhistorikern umstritten, doch der Name blieb an der Stadt hängen.

Heute ist die Szene klein, aber sichtbar: zwei Brennereien mit eigenem Anbau, dazu Bars in Florenz, die die Negroni-Erfindung touristisch pflegen. Wein bleibt das große Geschäft der Region, Gin ein Nebenzweig mit Anspruch auf Herkunft statt auf Masse.

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