
Iris und Apennin-Wacholder
Botanicals
Der Wacholder (Juniperus communis) dieser Region wächst wild an den steinigen Hängen des Apennins. Oft gedeiht dort sonst kaum etwas. Genau dieser Mangel macht ihn interessant. Sträucher auf kargem Kalkboden bilden mehr ätherische Öle, um mit wenig Wasser auszukommen. Das ergibt Beeren mit kräftigem, harzigem Aroma. Geerntet wird traditionell durch Ausklopfen der Zweige über einem ausgebreiteten Tuch. Die Methode ist schneller als das Pflücken einzelner Beeren, braucht aber Fingerspitzengefühl, damit nur reife Früchte fallen.
Sabatini Gin aus Teccognano bei Cortona setzt neben dem Wacholder auf acht weitere toskanische Botanicals. Dazu zählen Koriander, Florentiner Iris, Wildfenchel, Lavendel, Olivenblätter, Thymian, Zitronenverbene und Salbei. Die meisten davon sammelt die Familie wild auf dem eigenen Hügel. Nur der Wacholder stammt aus verschiedenen Teilen der Region, weil die eigene Ernte allein nicht reicht.
Bei Peter in Florence aus Pelago steht die Florentiner Iris im Zentrum. Ihre Wurzel ist als Orriswurzel bekannt und dient seit Jahrhunderten als Fixier- und Aromastoff in der Parfümerie. Die Iris ist zugleich das Wappenzeichen von Florenz, denn die Lilie im Stadtwappen ist botanisch tatsächlich eine Schwertlilie. Dazu kommen toskanischer Wacholder, Rosmarin, Bergamottenschale, Rose und Lavendel, insgesamt vierzehn Botanicals.
Was jedes Kraut im Glas bewirkt, zeigt sich am Bild dieser Landschaft. Wildfenchel und Salbei bringen die trockene, harzige Macchia auf die Zunge. Olivenblätter geben eine leicht bittere, grüne Note, wie man sie aus dem ersten Öl der Saison kennt. Die Iriswurzel dagegen wirkt weich und pudrig, fast wie nasser Stein nach Regen. Sie hält die kräftigeren Kräuter zusammen, statt sie zu übertönen.
brüchiger, blättriger Schiefermergel der toskanischen Hügel, typisch für die Hänge um Cortona
Die Wurzel: flaches Wurzelwerk zwingt den Wacholder, mit wenig Wasser auszukommen, und presst mehr ätherisches Öl in die Beere