
Reisgeist seit 2014
Region & Geschichte
Wer in Kyoto nach Gin fragt, landet fast immer bei einem Gebäude am Rand der Altstadt. Dort gründeten die Britin Noriko Kakuda Croll, ihr Mann David Croll und der Autor Marcin Miller im Jahr 2014 The Kyoto Distillery. Sie ist die erste Craft-Gin-Brennerei Japans und bis heute die einzige Gin-Brennerei der Stadt.
Gin war in Japan lange ein Importgetränk. Man trank ihn in westlich geprägten Bars, meist neben Whisky-Highballs. Die drei Gründer wollten etwas anderes: einen Gin aus japanischen Zutaten und japanischem Handwerk, gebrannt vor Ort. 2016 kam ihr erster Gin auf den Markt, Ki No Bi, benannt nach der Kunstfertigkeit (bi) des Ortes (ki).
Zeitgleich wuchs in Osaka etwas Größeres heran. Der Getränkekonzern Suntory wurde 1899 von Shinjiro Torii gegründet. Mit Roku brachte er einen Gin aus seiner Osaka-Brennerei heraus, der sechs japanische Pflanzen zu den vier Jahreszeiten verbindet. Kyoto setzt auf ein kleines Team und lange Handarbeit, Osaka auf große Mengen und globale Regale.
Der Erfolg beider Häuser löste in wenigen Jahren einen eigenen Boom aus. Dutzende kleine Brennereien in ganz Japan begannen, Gin mit heimischen Botanicals zu brennen, von Hokkaido bis Okinawa. Kyoto und Osaka gelten unter Kennern trotzdem als die zwei Orte, an denen der japanische Craft-Gin seinen Anfang nahm.
Heute stehen beide Häuser für zwei Wege zum selben Ziel. Die kleine, sichtbare Werkstatt in Kyoto lässt Besucher durch Glas beim Brennen zusehen. Die industrielle Präzision in Osaka bringt Roku dagegen in Supermarktregale rund um die Welt.