
Tee, Yuzu, Sanshō
Botanicals
Der Wacholder für den Gin aus Kyoto und Osaka wächst nicht hier. Er kommt, wie fast überall auf der Welt, aus Osteuropa. Er liefert die harzige Grundnote, die jeden Gin erst zu Gin macht. Was die Region ausmacht, sind die Pflanzen, die dazukommen.
Ki No Bi aus Kyoto setzt auf elf Botanicals, aufgeteilt in sechs Gruppen. Wacholder und Iriswurzel bilden die Basis, gelbe Yuzu und Zitrone die Zitrusnote. Gyokuro-Grüntee aus dem nahen Uji steht für Tee, Hinoki-Zypressenholz und Bambusblatt fürs Kräutrige. Grüner Sanshō-Pfeffer und sein junges Blatt Kinome bringen Schärfe, dazu kommen Ingwer und rote Shiso.
Gyokuro ist kein gewöhnlicher Grüntee. Er wächst beschattet unter Strohmatten oder schwarzen Netzen, wochenlang vor der Ernte. So bilden die Blätter mehr Chlorophyll und Aminosäuren. Das ergibt die süßliche, fast brühige Tiefe, die Ki No Bi von europäischen Gins unterscheidet.
Sanshō wird oft mit dem chinesischen Sichuanpfeffer verwechselt. Er betäubt die Zunge leicht und bringt eine grüne, zitrusartige Schärfe statt scharfer Chilihitze. Zusammen mit Hinoki, dem hellen Holz japanischer Tempel und Badewannen, gibt er dem Gin einen harzigen, fast waldigen Ton.
Suntory Roku aus Osaka reduziert das Prinzip auf sechs Pflanzen für die vier Jahreszeiten. Kirschblüte und Kirschblatt stehen für den Frühling, Sencha- und Gyokuro-Tee für den Sommer. Sanshō-Pfeffer vertritt den Herbst, Yuzu-Schale den Winter. Jede Pflanze wird laut Brennerei einzeln destilliert, um ihr eigenes Aroma zu bewahren.
Beschattung aus Stroh oder schwarzem Netz, unter der die Teesträucher für Gyokuro wochenlang wachsen
Die Wurzel: Weniger Licht zwingt die Pflanze, mehr Chlorophyll und Aminosäuren in die Blätter zu pumpen