
Gion trifft Dotonbori
Trinkkultur
Japans Trinkkultur ist vor allem eine Whisky- und Sake-Kultur. Gin hat sich in den vergangenen Jahren trotzdem einen festen Platz erobert, meist in Form des einfachsten aller Drinks: Gin Tonic, hier oft „Jin Tonikku“ genannt, serviert in schlanken Highball-Gläsern mit viel Eis.
In Kyotos Altstadtvierteln Gion und Pontocho, engen Gassen mit Holzfassaden entlang des Kamo-Flusses, liegen kleine Bars. Ein Barkeeper hinter dunklem Holz bedient hier oft nur wenige Gäste gleichzeitig. Ki No Bi wird dort gern pur mit einem großen Eiswürfel serviert, damit sich die feinen Teenoten nicht zu schnell verdünnen.
Osaka tickt lauter. Rund um Dotonbori, den Kanal mit den überdimensionalen Leuchtreklamen, reihen sich Izakaya aneinander, kleine Kneipen für Bier, Sake und inzwischen auch Cocktails. Suntory Roku ist als Konzernprodukt breiter verfügbar. Er taucht hier in Standard-Gin-Tonics ebenso auf wie in Highball-Varianten mit Soda.
Ein japanischer Gin Tonic unterscheidet sich oft in Details vom europäischen. Viel klares, langsam schmelzendes Eis, wenig Rühren, damit das Getränk kalt und ungetrübt bleibt, dazu eine Zurückhaltung bei der Würze. Martinis mit Ki No Bi tauchen in einigen Kyotoer Cocktailbars als Hausvariante auf, meist mit trockenem Wermut und einem Schleier aus Yuzu-Schale.
Anders als in London oder Amsterdam gibt es in Kyoto und Osaka keine historischen Gin-Paläste oder Wacholderfeste. Die Trinkkultur ist jünger und leiser. Sie ist stärker in bestehende Bar- und Izakaya-Traditionen eingebettet, als dass sie eine eigene Bühne bräuchte.