
Jeneverstadt am Fluss
Region & Geschichte
Wer am Morgen an der Lange Haven in Schiedam entlangläuft, riecht zuerst das Wasser der Gracht, dann etwas Süßliches, fast wie warmes Brot. Es ist der Geruch von Malz. Die Stadt liegt an der Nieuwe Maas, nahe Rotterdam, und genau dieser Fluss brachte über Jahrhunderte das Getreide, aus dem hier Genever gebrannt wurde.
Die Nolet Distillery gehört zu den ältesten Zeugen dieser Zeit. Joannes Nolet gründete sie 1691, seine Nachfahren führen den Betrieb bis heute, mittlerweile in der elften Generation. Aus derselben Brennerei kommt inzwischen auch der Wodka Ketel One, benannt nach dem alten, kohlebeheizten Kupferkessel „Distilleerketel #1“, der dort noch steht.
Nicht weit entfernt liegt De Kuyper. Petrus De Kuyper stellte zunächst Fässer für den Transport von Bier und Spirituosen her, gegründet 1695. Sein Sohn Jan De Kuyper kaufte 1752 eine Brennerei in Schiedam und begann dort, Genever herzustellen. Die Familie führt das Unternehmen bis in die Gegenwart weiter.
Um die Brennereien mit Mehl zu versorgen, standen einst rund zwanzig sogenannte Brandersmolens in der Stadt, Windmühlen, die gemälztes Getreide zu Schrot vermahlten. Sechs von ihnen stehen noch. De Noord, 1803 errichtet, misst 33,3 Meter und gilt als höchste klassische Windmühle der Welt, De Vrijheid stammt aus dem Jahr 1785.
Diese Dichte an Mühlen und Brennereien brachte Schiedam den Beinamen „Jeneverstad“ ein, Genever-Stadt. Wer heute das Nationaal Jenevermuseum an der Lange Haven besucht, steht in einem Pakhuis von 1794, in dem einst die Brennerei von P. Melchers arbeitete. Dort wird bis heute nach alten Methoden Moutwijn gebrannt.
Im Jahr 2006 kam eine neue Mühle hinzu: De Nolet, mehr als 43 Meter hoch, gebaut von der Nolet-Brennerei direkt neben ihren Kesseln. Schiedam bleibt damit eine Stadt, in der Geschichte und laufender Betrieb auf engstem Raum nebeneinander stehen, von der Gracht bis zum Hafen an der Maas.