Botanicals in der Region Schiedam & Genever

Korn statt Kräutergarten

Botanicals

In den meisten Gin-Regionen stehen Kräuter und Zitrusfrüchte im Mittelpunkt. In Schiedam ist das anders. Hier bestimmt zuerst das Getreide den Geschmack, nicht der Wacholder. Roggen, Mais und gemälzte Gerste werden zu Moutwijn vergoren und gebrannt, einem Malzwein mit rund 40 bis 80 Prozent Alkohol. Für sich genommen schmeckt er schon wie ein leichtes, körniges Getreidebrot.

Der Wacholder, der dem Genever seinen Namen gibt, wächst nicht in den Poldern rund um Schiedam. Das feuchte, flache Klima Hollands eignet sich schlecht für die Sträucher. Wild wächst Juniperus communis eher auf den sandigen Heiden im Osten des Landes, etwa auf der Veluwe. Der Wacholder für die Brennereien kam historisch trotzdem meist aus Süd- und Osteuropa, über den Rhein und den Seehandel nach Schiedam. Auch die Nolet Distillery bezog ihren Wacholder über diesen Weg.

Genever braucht deutlich weniger Wacholder als ein London Dry. Der Geschmack des Getreides bleibt im Vordergrund. Traditionell kamen weitere Zutaten dazu, etwa Anis oder Kümmel. Sie ergänzten die Würze, ohne sie zu übertönen. So entsteht ein Getränk, das eher an gebranntes Brot mit einem Hauch Nadelholz erinnert als an einen klassischen, kräuterbetonten Gin.

Das Ergebnis ist ein Balanceakt zwischen zwei Welten. Zu viel Wacholder, und der Charakter des Moutwijns geht unter. Zu wenig, und es bleibt ein reiner Kornbrand ohne Wiedererkennungswert. Brennmeister in Schiedam wählten deshalb über Generationen Mengenverhältnisse, die den Grundton des Getreides bewusst stehen ließen.

Auf den Heiden der Veluwe zeigt sich, wie genügsam der Wacholder ist. Er wächst auf magerem, saurem Sandboden, den kaum eine andere Pflanze erträgt. Tief unter der Heidedecke liegt oft eine harte, eisenhaltige Schicht, der Ortstein. Sie staut Wasser und zwingt die Wurzeln, seitlich statt in die Tiefe zu wachsen, genau dort, wo der Strauch seine Kraft hernimmt.

Grab dich durchSchicht antippen

Nährstoffarmer, saurer Sand unter der Heidedecke.

Die Wurzel: Der Wacholder verträgt hier Trockenheit, weil seine Wurzeln flach bleiben.

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