
Kopstootje am Tresen
Trinkkultur
In Schiedam trinkt man Genever traditionell nicht im Cocktailglas. Man trinkt ihn eiskalt und pur, aus einem kleinen, tulpenförmigen Glas, das randvoll gefüllt wird. Wer bestellt, findet das Glas oft schon auf einer Untertasse stehend vor, damit nichts überläuft. Zum ersten Schluck beugt man sich über den Tresen, ohne das Glas vorher anzuheben.
Ein „Kopstootje“, ein kleiner Kopfstoß, ist die klassische Kombination. Dazu gehören ein Gläschen Genever und ein kleines Bier als Begleiter. Beide werden getrennt getrunken, nicht gemischt, der Genever meist zuerst. Diese Runde gehört seit dem 19. Jahrhundert zum Alltag in Kneipen entlang der Grachten. Bis heute wird sie in vielen Cafés Schiedams so serviert.
Proeflokalen, kleine Verkostungsräume direkt an den Brennereien, gehören ebenfalls zur Stadt. Dort konnten Käufer früher verschiedene Fässer direkt vergleichen, bevor sie eine Flasche kauften. Das Nationaal Jenevermuseum stellt diese Praxis bis heute für Besucher nach, mit Proben von jungem und altem Genever nebeneinander.
Cocktails spielen in Schiedam eine kleinere Rolle als in vielen anderen Gin-Regionen. Langsam gewinnen sie aber auch hier an Bedeutung, etwa in Bars, die Genever als Basis für Long Drinks einsetzen. Der kräftige Getreidegeschmack verlangt dabei nach zurückhaltenden Partnern, damit er nicht untergeht, anders als bei neutraleren Gin-Stilen.
Auch an der Lange Haven, direkt beim Nationaal Jenevermuseum, hat sich diese Tradition gehalten. Besucher können dort in einer nachgebauten Kneipe erleben, wie ein Kopstootje früher serviert wurde, mit Zinnbechern und schweren Holztischen. Für viele Schiedammer bleibt der kleine Umtrunk am Tresen bis heute ein fester Teil des Feierabends.