
Melasse statt Getreide
Brennen & Destillieren
Der große Unterschied zum europäischen Gin beginnt schon vor der Brennblase. Ginebra San Miguel setzt nicht auf Getreide, sondern auf Melasse aus Zuckerrohr als Basis für den Alkohol. Die Melasse kommt von Zuckermühlen der Philippinen, Indiens und Indonesiens. Über die konzerneigene Distileria Bago wird sie zu Rohalkohol vergoren und destilliert.
Das ist historisch gewachsen. Zuckerrohr war und ist auf den Philippinen reichlich vorhanden, Getreide dagegen musste importiert werden. Schon die alten Brennereien in Manila griffen deshalb auf das, was vor Ort wuchs. Aus einer Notlösung wurde so eine eigene Stiltradition, die bis heute hält.
Der fertige Neutralalkohol wird anschließend mit den Botanicals versetzt. Je nach Rezeptur wird er ein weiteres Mal gebrannt oder mit Aromen neu zusammengesetzt. Ginebra San Miguel kommt danach klassisch auf 40 Prozent Vol. auf den Markt. Eine mildere Ausführung, Ginebra San Miguel Premium, liegt bei 35 Prozent Vol.
Die junge Craft-Brennerei Full Circle Craft Distillers in Calamba City arbeitet anders. Sie setzt für ihren Archipelago Botanical Gin auf eine kupferne Pot Still. Die gesammelten Botanicals, von Calamansi bis Benguet-Kiefer, mazeriert sie direkt im Alkohol. Erst danach wird gebrannt, statt Aromen nur zuzusetzen.
So stehen in Manila zwei Brennphilosophien nebeneinander. Die industrielle macht aus günstiger Melasse ein Getränk für Millionen, Flasche um Flasche, Kiste um Kiste. Die kleine, kupferne schickt den Archipel Botanical für Botanical durch die Brennblase, und beide tragen am Ende denselben spanischen Namen: Ginebra.