
Ayala und Tagay
Region & Geschichte
In Quiapo, einem Viertel im Herzen von Manila, begann 1834 eine Geschichte, die bis heute jeden Sari-Sari-Laden der Philippinen erreicht. Antonio Ayala und Domingo Roxas gründeten dort die Distileria Licorea de Ayala, eine kleine Brennerei unter dem Namen Ayala y Cia. Sie brannten einen wacholdrigen Branntwein für die spanische Kolonialgesellschaft und die wohlhabenden Manileños, gefüllt in große Glasballons, hier Damajuana genannt.
Der Chemiker Anacleto del Rosario verfeinerte die Rezeptur später so weit, dass aus dem groben Kolonialgetränk ein sauberer, milderer Brand wurde. Das Getränk hieß bald schlicht Ginebra, das spanische Wort für Gin, und wurde zum Statussymbol der Peninsulares und Insulares, also der in Spanien und auf den Philippinen geborenen Oberschicht.
1902 gründete Carlos Palanca Sr. die La Tondeña Incorporada, benannt nach dem Manilaer Stadtteil Tondo. 1924 übernahm sein Unternehmen die alte Distileria de Ayala und wurde zum größten Brenner des Landes. Aus zwei Rivalen wurde ein Konzern, und aus dem Kolonialgetränk ein Volksgetränk.
1987 firmierte das Unternehmen als La Tondeña Distillers, 2003 übernahm es die San Miguel Corporation vollständig und taufte die Firma in Ginebra San Miguel um. Der Name blieb, was er immer war: das Ginebra der einfachen Leute, verkauft in der runden Flasche, die alle nur Gin Bilog nennen.
Heute ist Ginebra San Miguel nach verkauften Kisten das meistverkaufte Gin der Welt, weit vor jeder europäischen Marke. Daneben wächst seit wenigen Jahren eine kleine Craft-Szene: Full Circle Craft Distillers, seit 2018 in Calamba City südlich von Manila zu Hause, brennt mit der ARC Archipelago Botanical Gin einen Gin aus Zutaten des ganzen Archipels. Zwei Welten, eine Stadt.