
Archipel im Glas
Botanicals
Wacholder wächst auf den Philippinen nicht, das Land liegt zu nah am Äquator dafür. Ginebra San Miguel kauft seine Wacholderbeeren daher getrocknet aus Übersee. Zum Ausgleich setzt die Marke auf Zitrus: Calamansi, eine kleine, grüne Frucht, die überall im Land wächst. Sie gibt dem Ginebra seine scharfe, frische Note.
Die junge Craft-Szene geht weiter als das. Full Circle Craft Distillers aus Calamba City mischt für seinen ARC Archipelago Botanical Gin 28 Zutaten. 22 davon stammen von den Philippinen selbst: Pomelo und Orangen aus dem Süden, frische Mango von einer Familienfarm in Pangasinan. Dazu kommen Sampaguita und Ylang-Ylang, zwei Blüten aus fast jedem philippinischen Garten.
Sampaguita ist die Nationalblume der Philippinen und riecht süß, ein wenig nach Jasmin. Sie wird traditionell zu Ketten gebunden und Heiligenfiguren umgehängt. Im Gin gibt sie eine blumige Schicht unter der Zitrusspitze. Ylang-Ylang, eine gelbe Blüte vom Kananga-Baum, liefert dagegen einen schwereren, fast öligen Duft. In Parfums der Region ist sie seit Langem gefragt.
Aus dem Norden kommt Benguet-Kiefer, ein Nadelholz aus den kühlen Bergen der Cordillera auf Luzon. Sie ersetzt im Glas den fehlenden Wacholder ein Stück weit. Ihr harziges Aroma erinnert an Nadelwald. Es bringt eine Kühle in einen sonst tropisch warmen Gin.
So stehen sich in Manila zwei Botanik-Ideen gegenüber. Die alte baut mit wenigen, günstigen Zutaten ein Volksgetränk. Die neue begreift den ganzen Archipel als Gewürzregal.
Dunkler, mineralreicher Boden aus verwittertem Vulkangestein, wie er in den Calamansi- und Mangohainen von Laguna und Pangasinan liegt.
Die Wurzel: Die Zitrusbäume ziehen daraus schnell Nährstoffe und tragen mehrmals im Jahr.