
Kupfer am Firth
Region & Geschichte
Am Ostrand von Edinburgh, dort wo die Lowlands ins Wasser des Firth of Forth übergehen, liegt das Dorf Cameronbridge. Von außen sieht es aus wie jeder andere Ort in Fife, mit Feldern ringsum und Möwen über den Dächern. Innen steht eine der größten Spirituosenanlagen Europas, und kaum einer, der hier vorbeifährt, ahnt, wie viel Gin aus diesen Rohren kommt.
Gegründet wurde die Kornbrennerei Cameronbridge 1824 von John Haig, aus Whisky, nicht aus Gin. 1877 ging sie in der Distillers Company Limited auf, einem Zusammenschluss mehrerer Kornbrenner, aus dem über viele Jahrzehnte der heutige Konzern Diageo hervorging. Seit 1998 wird in Cameronbridge auch Gin gebrannt: Gordon's und Tanqueray, zwei der meistverkauften Gin-Marken der Welt, kommen beide aus denselben Kupferblasen wie ein Teil des Grundalkohols für Smirnoff-Wodka.
Eine knappe Autostunde südwestlich, an der Küste von Ayrshire, betreibt William Grant & Sons die Brennerei Girvan, bekannt vor allem für Kornwhisky. Seit 1999 entsteht dort auch Hendrick's, entwickelt von der Chemikerin Lesley Gracie. Zwei ungleiche Blasen prägen den Gin: eine kleine Potstill-Blase von 1860, gebaut von Bennett, Sons & Shears, und eine Carterhead-Blase von 1948, in der die Botanicals nicht mitkochen, sondern nur im Dampf hängen.
Edinburgh selbst kam später dazu. 2010 gründeten Alex und Jane Nichol die Marke Edinburgh Gin, zunächst im kleinen Rahmen auf Gartenmessen verkauft. 2014 eröffnete die eigene Brennerei an der Rutland Place, mitten in der Neustadt, mit zwei winzigen 150-Liter-Blasen. Seit 2024 läuft die Produktion in einem neuen, größer gebauten Haus im Herzen der Stadt weiter.
Drei sehr unterschiedliche Orte also: eine Industrieanlage am Firth of Forth, eine Kornbrennerei an der Westküste und eine kleine Stadtbrennerei in Edinburgh. Zusammen erklären sie, warum ein großer Teil allen britischen Gins heute aus Schottland kommt.