
Rose, Wacholder, Distel
Botanicals
Wacholder ist auch hier die Pflicht, aber er wächst nicht auf dem flachen Ackerland der Lowlands. Die Büsche stehen in den Hügeln südlich von Edinburgh, in den Pentland Hills, wo Heidekraut und Ginster den Boden aus Geschiebelehm bedecken. Was diese Region prägt, ist nicht der Wacholder selbst, sondern das, was die Brennereien daneben stellen.
Bei Hendrick's aus Girvan sind das vor allem Rose und Gurke. Die Entwicklerin Lesley Gracie lässt neun Botanicals mindestens vierzehn Stunden mazerieren, also in Alkohol ziehen, bevor destilliert wird. Bulgarisches Rosenöl und Gurkenessenz kommen danach dazu, nach der Destillation, nicht davor. Deshalb schmeckt Hendrick's weniger nach Nadelwald als viele andere Gins und mehr nach Blumenladen und Salatgurke.
Edinburgh Gin setzt auf vierzehn Botanicals, darunter Lavendel, Kiefernknospen, Maulbeeren, Haselnüsse und, nach eigenen Angaben der Brennerei, schottisches Heidekraut und Mariendistel. Heidekraut gibt einen leicht honigartigen Ton, Mariendistel bringt eine trockene, fast krautige Bitterkeit mit, die den süßen Rosenton bei Hendrick's spiegelt, nur eben herber und rauer.
Gurke kühlt den Eindruck im Mund, bevor der Wacholder überhaupt ankommt. Rose legt sich wie ein Duft über die Zunge, ohne dabei parfümiert zu schmecken, wenn die Menge stimmt. Beides zusammen erklärt, warum ein Gin aus dieser Region oft weicher wirkt als ein scharfer London Dry.
So entstehen aus derselben Pflicht, dem Wacholder, in Girvan ein blumig-grüner und in Edinburgh ein würzig-krautiger Gin, obwohl beide nur wenige Kilometer auseinanderliegen.
Verrottendes Heidekraut und Moos, dunkel und leicht sauer.
Die Wurzel: Das Heidekraut verankert sich mit feinen Faserwurzeln knapp unter der Oberfläche.