
Copa de balón
Trinkkultur
Wer in Barcelona einen Gin Tonic bestellt, bekommt ihn selten im schlichten Longdrinkglas serviert. Er kommt in der Copa de balón, einem bauchigen, weit ausladenden Kelchglas. Es stammt ursprünglich aus dem Baskenland, setzte sich aber in den Zweitausendern in ganz Spanien durch. Die runde Form fängt die Aromen ein und lässt sie oben, in der schmaleren Öffnung, konzentriert aufsteigen.
Ausgangspunkt war ausgerechnet die Spitzengastronomie. Köche und Barkeeper in Katalonien und im Baskenland begannen, den Gin Tonic nach Feierabend anders zu behandeln. Nicht mehr als schnellen Absacker, sondern als eigenes kleines Ritual, die sogenannte Gintónica. Kräuterzweige, Gewürze und dünne Zitrusscheiben wurden zur Garnitur, abgestimmt auf die jeweiligen Botanicals im Glas.
In wenigen Jahren eroberte diese Zubereitung Barcelonas Bars, von kleinen Eckkneipen bis zu eigenen Gin-Tempeln. So nennt man inzwischen die auf Gin spezialisierten Lokale der Stadt. Regale voller Gin-Flaschen und eigener Tonic-Sorten gehören seither zum Bild vieler Bars. Die Wahl der Tonic wird dort so ernst genommen wie die Wahl des Gins.
Für einen Gin wie den aus Vilanova i la Geltrú passt die Copa besonders gut. Ihre weite Öffnung braucht Platz für einen Rosmarinzweig oder eine Olive als Garnitur. Kräuter und Frucht überdecken sich darin nicht gegenseitig. Serviert wird meist mit reichlich Eis, das den Gin langsam kühlt, ohne ihn schnell zu verwässern.
Diese Kultur ist längst über Barcelona hinausgewachsen, doch ihre Wurzeln liegen erkennbar hier. Eine katalanische und baskische Gastroszene machte aus einem einfachen Longdrink ein Getränk mit eigener Etikette. Dazu gehören ein passendes Glas, eine passende Garnitur und ein passender Gin.