
Mediterran statt London
Stil & Recht
Ein Gin aus Vilanova i la Geltrú lässt sich keiner der klassischen Kategorien wie London Dry oder Plymouth zuordnen. Er wird zwar als Destillierter Gin nach EU-Spirituosen-Verordnung (EU) 2019/787 hergestellt. Alle Botanicals werden mitgebrannt, statt bloß zugesetzt zu werden. Geschmacklich zielt er trotzdem nicht auf die zitrus- und wacholderbetonte Schärfe des Londoner Stils.
Man nennt diese jüngere Kategorie meist Contemporary Gin. Es ist ein Stil ohne feste Rezeptvorgabe, der einzelne Botanicals bewusst in den Vordergrund stellt. Bei Gin Mare heißt das: Olive und mediterrane Kräuter dominieren, Wacholder bleibt hörbar, tritt aber zurück. Das unterscheidet ihn grundlegend von einer streng wacholderbetonten Spirituose.
Rechtlich gilt trotzdem dieselbe Untergrenze für ganz Europa. Die Verordnung verlangt für „Gin“ mindestens 37,5 % vol. Für „Destillierten Gin“ müssen zusätzlich alle Botanicals gemeinsam mit dem Alkohol destilliert werden. Danach dürfen nur noch Wasser, Ethanol gleicher Qualität und höchstens Farbstoff zugesetzt werden. Ein Gin aus Vilanova i la Geltrú, mit 42,7 % vol gebrannt, erfüllt diese Regel deutlich.
Eine geschützte geografische Angabe wie „London Gin“ oder „Gin de Mahón“ auf der benachbarten Insel Menorca besitzt Katalonien für seinen Gin nicht. Der Name der Brennerei sorgt hier für Wiedererkennung, nicht ein Herkunftsschutz. Das gilt für viele jüngere Gins aus Spanien, die erst nach der Jahrtausendwende entstanden sind.
Der Verzicht auf eine geschützte Angabe bedeutet nicht, dass der Stil beliebig wäre. Die Brennerei selbst bindet sich an ihre eigene Rezeptur. Dazu zählt die Herkunft von Olive und Kräutern aus dem Mittelmeerraum, dazu zählt die getrennte Destillation jedes Botanicals. Diese Selbstbindung, nicht ein Gesetz, hält den Stil aus Vilanova i la Geltrú über die Jahre konstant.