
Salzig statt zitrisch
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Wer zum ersten Mal einen Gin aus Vilanova i la Geltrú probiert, erwartet oft die scharfe Zitrusnote klassischer Gins. Stattdessen findet er etwas Rundes, fast Salziges. Das kommt von der Arbequina-Olive. Sie gibt dem Destillat einen leicht öligen, an Salzlake erinnernden Unterton, ungewöhnlich für die Kategorie, aber charakteristisch für diese Region.
Darunter liegt Rosmarin mit seiner harzigen Schärfe, Thymian mit würziger Erdigkeit und Basilikum mit einer grünen Süße, die alles zusammenhält. Wacholder bleibt spürbar, tritt aber bewusst zurück. Das ist ein Signal, dass dieser Gin nicht auf Wacholderschärfe zielt, sondern auf das Gleichgewicht der Mittelmeerkräuter.
Wer die einzelnen Aromen trennen will, probiert am besten pur bei Zimmertemperatur. In kleinen Schlucken, mit Wasser zum Nachspülen zwischen den Proben. So lässt sich zuerst die Olive erkennen, dann Rosmarin und Thymian, zuletzt der Wacholder im Abgang.
Gin Mare aus Vilanova i la Geltrú ist der bekannteste Vertreter dieses Stils und der Ursprung der ganzen Kategorie. Daneben hat sich in Barcelona mit Ginraw ein zweiter katalanischer Gin etabliert. Auch er setzt auf mediterrane, kräuterbetonte Aromen, wenn auch mit anderer Rezeptur und eigenem, kühlerem Kräuterprofil.
Beide Beispiele zeigen, wohin sich katalanischer Gin entwickelt hat. Weg vom reinen Wacholderdestillat, hin zu einem Getränk, das die Landschaft der Region direkt im Glas abbildet: Olivenhaine, trockene Kräuterhänge, Küstenwind. Wer beide nebeneinander probiert, schmeckt den Unterschied zwischen Salzlake und Kräutergarten in einer einzigen Kategorie.