
Pomada und Pferde
Trinkkultur
Auf Menorca trinkt man Gin selten pur. Die Mischung mit Zitronenlimonade heißt in Mahón Pomada. In Ciutadella nennt man sie lieber gin amb llimonada, weil die Ciutadellencs den Namen Pomada gar nicht mögen. In anderen Orten der Insel heißt dieselbe Mischung schlicht Ginet.
Die Geschichte dieser Mischung reicht ins Jahr 1927 zurück. Der Barkeeper Magí Camps servierte an der alten Estación Marítima in Mahón erstmals Gin Xoriguer mit Siphon-Limonade. Er wollte damit den Alkoholgeruch mildern. Aus dieser Idee wurde ein Getränk, das binnen weniger Jahre die ganze Insel eroberte.
Ihren größten Auftritt hat die Pomada bei den Fiestes de Sant Joan in Ciutadella, Ende Juni. Reiter, die Caixers, ziehen dann auf ihren Pferden durch die engen Gassen. Jeder von ihnen steht für eine gesellschaftliche Gruppe: der Caixer Capellà für die Kirche, der Caixer Senyor für den Adel, die Caixers Pagesos für die Bauern. Dazu kommen Handwerker und ein Vertreter des Volkes.
Beim sogenannten Jaleo bäumen sich die Pferde mitten in der Menge auf. Ringsum wird Pomada aus Bechern gereicht. Wer zusieht, versteht schnell, warum dieses Getränk untrennbar mit dem Fest verbunden ist.
Außerhalb der Festtage gehört die Pomada zum Alltag der Sommerabende, an Strandbars ebenso wie auf den Terrassen von Mahón und Ciutadella. Serviert wird sie meist in einem einfachen Glas mit viel Eis, kalt und spritzig, nie als aufwendiger Cocktail.