
Rein und trocken
Verkosten
Wer Gin de Mahón verkostet, schmeckt zuerst, was fehlt: keine Zitrusnote, kein Koriander, kein Süßholz. Übrig bleibt der Wacholder in Reinform, harzig, leicht nadelig, mit einer trockenen Schärfe, die an frisch geschnittenes Kiefernholz erinnert.
Weil das Botanical-Gesetz so eng gefasst ist, gibt es von Gin de Mahón im engeren Sinn nur ein einziges Produkt: den Gin der Destillerie Xoriguer, der einzigen Brennerei, die den Namen führen darf. Andere Häuser auf der Insel stellen Gin ohne die geschützte Angabe her und dürfen freier mit Botanicals arbeiten.
Zum Verkosten reicht ein neutrales Glas mit etwas Raum darüber, damit sich das Wacholderaroma entfalten kann. Wer den Gin zunächst pur riecht, bevor er ihn probiert, bemerkt eher, wie klar und eindimensional das Aroma im Vergleich zu botanicalreichen Gins wirkt.
Manche Kenner wollen in der geheimen Kräuterzugabe der Familie Pons eine feine, kaum greifbare Würze hinter dem Wacholder erschmecken, andere merken davon nichts. Weil das Rezept geheim bleibt, lässt sich das nicht überprüfen, nur nachschmecken.
Ein kleiner Schluck Wasser zwischen zwei Proben hilft, die Zunge zurückzusetzen. Für Menorquiner ist das ohnehin nebensächlich: Sie trinken ihren Gin fast immer gemischt, nicht zur Analyse im Glas.
Die goldene Stunde am Hafen von Mahón ist kein schlechter Rahmen für die erste Probe. Ruhiges Licht, kein Lärm, nur das leise Klirren des Eises im Nachbarglas mit Pomada. Wer stattdessen laut über Vanilletöne oder Fassnoten spricht, sucht am falschen Gin. Dieser hier bleibt ganz bewusst auf Wacholder reduziert.