
Fynbos-Boom seit 2014
Region & Geschichte
Drei Jahre lang probierte Lorna Scott mit rund 150 wilden Pflanzen aus dem Fynbos. 2011 füllte sie in Stilbaai an der Garden Route den ersten Gin ihrer Brennerei Inverroche ab. Er kam bernsteinfarben aus dem Kolben, weil manche Botanicals Farbe an den Alkohol abgeben. Es war der erste Gin überhaupt, der auf Fynbos-Pflanzen aufbaute.
Zur gleichen Zeit kehrten Lucy Beard und Leigh Lisk, ein Anwaltspaar, aus London nach Kapstadt zurück. 2013 begannen sie zu planen. 2014 stand ihre Brennerei in einem alten Lagerhaus in Salt River, gleich neben dem Szeneviertel Woodstock. Hope Distillery war die erste lizenzierte Kleinbrennerei der Stadt. Ihre beiden Brennblasen tragen bis heute die Seriennummern 001 und 002.
Der Grund für diesen Schub lag im Gesetz. Südafrikas Alkoholrecht lockerte sich 2014. Kleine Brennereien brauchten plötzlich keine schwere Großhandelsstruktur mehr im Rücken. Die Zahl der Brennereien im Land wuchs von rund 19 auf über 30 im Jahr danach. Der Ginabsatz stieg zwischen 2014 und 2018 um mehr als 150 Prozent.
Aus dieser Welle kamen noch mehr Namen. Musgrave brachte 2015 mit seinem Pink Gin den ersten rosafarbenen Gin des Landes auf den Markt. Er traf damit einen Nerv, der bis heute anhält. Heute zählt Südafrika mehr als 200 Ginmarken, viele davon rund um Kapstadt und Stellenbosch. Dort teilen sich Weingüter und Brennereien dieselbe Landschaft.
Wer heute durch Woodstock geht, riecht an manchen Ecken Diesel vom Hafen. Wenige Schritte weiter riecht es nach Wacholder aus einer offenen Brennereitür. Aus einem Kellerprojekt zweier Juristen ist ein fester Programmpunkt für Besucher der Stadt geworden. Aus Lorna Scotts Küchenexperiment wurde eine Marke, die inzwischen international vertrieben wird.