
Fynbos statt Wacholder
Botanicals
Wacholder wächst am Kap nicht wild, jede Brennerei bezieht ihn getrocknet von außerhalb, meist aus Osteuropa. Sein harziges Grundaroma bleibt die Basis, aber am Westkap tritt daneben etwas, das es sonst nirgends gibt: der Fynbos, ein Buschland mit mehr als 9.000 Pflanzenarten auf einer Fläche, die kleiner ist als Portugal.
Buchu ist das bekannteste Fynbos-Kraut in Ginflaschen dieser Gegend. Seine Blätter riechen nach schwarzer Johannisbeere mit einer minzigen, fast medizinischen Schärfe, San und Khoi nutzten sie schon lange vor den ersten Brennereien als Heilpflanze. Im Gin gibt Buchu eine kühle, leicht bittere Kante, die Zitrus in den Hintergrund drängt.
Honeybush, botanisch mit dem Rotbusch Rooibos verwandt, bringt das Gegenteil: eine süße, honigartige Note mit Blütenanklang, fast wie Kamille mit Karamell. Rooibos selbst legt Gerbstoff und einen trockenen, holzigen Ton dazu, der einem Gin Tiefe gibt, ohne ihn schwerer zu machen. Beide Pflanzen wachsen nur in diesem Winkel Südafrikas.
Inverroche destilliert seine drei Gin-Ausführungen nach der Blütezeit der jeweiligen Fynbos-Arten, jede Sorte betont eine andere Jahreszeit im Busch. Andere Brennereien greifen zusätzlich zu afrikanischem Ingwer oder zu Paradieskörnern, einer pfeffrig-holzigen Frucht aus Westafrika, die über Handelsrouten längst auch am Kap angekommen ist.
Diese Botanicals wachsen auf kargem, sandigem Boden, der eigentlich wenig hergibt. Genau das zwingt die Pflanzen, ätherische Öle stark zu konzentrieren, damit Insekten sie überhaupt finden. Was für den Boden eine Härte ist, wird im Kolben zum Vorteil: ein intensives Aroma aus wenig Blattmasse.
Nährstoffarmer, saurer Sand, durchsetzt mit feinem Quarzgrus vom verwitterten Sandstein.
Die Wurzel: Buchu wurzelt hier flach und breit, um jeden Regentropfen sofort aufzunehmen.