
Sundowner am Atlantik
Trinkkultur
In Kapstadt trinkt man Gin selten allein im Wohnzimmer. Meist gehört eine Terrasse dazu, ein Sonnenuntergang über dem Atlantik und ein Gin Tonic im hohen Glas. Der sogenannte Sundowner ist mehr Ritual als Getränk: Die Sonne sinkt hinter Robben Island, das Glas wird nachgefüllt, bevor es warm wird.
Woodstock hat sich zum Viertel entwickelt, in dem Brennereien Türen für Besucher offenhalten, oft direkt neben Streetart-Wänden und dem Neighbourgoods Market am Samstag. Wer dort eine Tour bucht, bekommt meist mehrere kleine Gläser zum Vergleich. Die Brennereien selbst sind auf den Unterschied zwischen ihren Sorten stolz, statt nur einen fertigen Drink zu servieren.
Stellenbosch mischt diese Ginkultur mit seiner Weinlandschaft. Auf denselben Anwesen, auf denen mittags Wein verkostet wird, öffnen abends kleine Bars. Sie servieren einen Signature Gin Tonic mit einem passenden Botanical als Garnitur, oft ein Zweig Rosmarin oder eine Scheibe Grapefruit statt der klassischen Gurke.
Klassisch getrunken wird der Gin Tonic im Ballonglas, groß genug für viel Eis, damit sich das Getränk beim Trinken nicht schnell erwärmt. Der Martini ist in den Cocktailbars der Innenstadt präsent. Er bleibt aber eher ein Stadtgetränk, während der Sundowner draußen an der Küste seinen festen Platz behält.
Feste rund um Gin sind jung, aber wachsend. Kleine Gin-Festivals in Kapstadt und Stellenbosch bringen mehrere Brennereien an einem Nachmittag zusammen, mit Ständen statt festen Bars. Dort sprechen Besucher direkt mit den Menschen, die den Gin selbst gebrannt haben.