
Bitter vor süß
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Ein Gin vom Westkap beginnt in der Nase oft mit Wacholder, dazu kommt aber schnell etwas Unerwartetes: ein minziger, fast schwarzjohannisbeerartiger Ton von Buchu. Danach folgt eine honigsüße Welle, wenn Honeybush mit im Ansatz war. Am Gaumen wirkt das Ganze oft weicher als ein klassischer London Dry, mit weniger Zitrusschärfe und mehr Kräuterbreite.
Inverroche Classic zeigt diesen Stil besonders deutlich, mit seiner bernsteinfarbenen Tönung durch die Fynbos-Botanicals und einer runden, leicht süßlichen Textur. Hope Distillery bringt mit ihren Gins aus Salt River dagegen mehr Schärfe und Zitrus in den Vordergrund, näher an internationalen Contemporary-Stilen. Musgrave setzt mit elf Botanicals eher auf Gewürznoten wie Kardamom und afrikanischen Ingwer.
Wer richtig probieren will, beginnt am besten pur bei Zimmertemperatur, in einem schmalen Glas, das die Aromen bündelt. Ein kleiner Schluck Wasser dazwischen öffnet oft weitere Schichten. Er nimmt den Alkohol etwas zurück, ohne die Botanicals zu verwässern.
Sinnvoll ist es, zuerst die bitteren und krautigen Noten zu suchen, also Buchu und Wacholder. Erst danach achtet man auf die süßeren Töne von Honeybush oder Rooibos. So verpasst man nicht die feineren, herberen Schichten, die ein erster süßer Eindruck sonst leicht überdeckt.
Zwischen zwei Sorten hilft ein neutraler Cracker oder ein Schluck Wasser, um die Zunge zurückzusetzen. Gerade bei den fynbosreichen Gins der Region lohnt sich das. Ihre Aromen klingen oft lange nach und würden sich sonst mit dem nächsten Glas vermischen.