
Hangar und Kupfer
Region & Geschichte
Alameda liegt auf einer Insel mitten in der Bucht von San Francisco, dort, wo bis in die 1990er Jahre die US Navy ihre Flugzeuge wartete. In einem der alten Hangars der stillgelegten Naval Air Station gründete der aus Deutschland eingewanderte Jörg Rupf 1982 St. George Spirits, die erste Craft-Brennerei Kaliforniens nach der Prohibition. Anfangs brannte er vor allem Obstbrände, erst später kam Gin dazu.
Nur eine Bucht weiter, in San Francisco selbst, ging Fritz Maytag einen anderen Weg. Der Mann, der zuvor mit seiner Anchor Brewing die amerikanische Craft-Bier-Bewegung angeschoben hatte, brachte 1996 Junípero auf den Markt, benannt nach dem lateinischen Wort für Wacholder. Er gilt als der erste seit der Prohibition in den USA gebrannte Craft-Gin, destilliert in der kupfernen Pot Still und im Stil eines kräftigen London Dry.
Während Junípero bewusst am britischen Vorbild blieb, ging St. George unter Lance Winters, der die Brennerei später übernahm, in eine andere Richtung: weg vom Rezeptbuch, hin zur Landschaft vor der Tür. Die Botanicals sollten schmecken, wo sie wachsen, nicht wie sie im klassischen London Dry gemischt werden.
Um diese Haltung fand sich in den 2000er Jahren ein Begriff: New Western Dry Gin, geprägt für Gins, die Wacholder nicht mehr allein in den Vordergrund stellen, sondern als eine Zutat unter vielen behandeln. Kalifornische Brennereien wie St. George zählten schnell zu den Vorreitern dieser Richtung, auch wenn der Name selbst weiter nördlich, in Oregon, entstand.
Heute sitzt St. George Spirits noch immer im selben Hangar, inzwischen deutlich vergrößert, und brennt neben Gin auch Whiskey und Absinth. Wer die Tür öffnet, riecht Kupfer, Fenchel und die salzige Bucht dahinter und versteht auf einen Blick, warum aus einer Flugzeughalle eine Adresse für Feinschmecker wurde.