
Zwei Jahre Holz
Fass & Klima
Wie alt muss Rum in Australien sein? Nach dem Zollgesetz von 1901 darf eingeführter Brandy, Whisky oder Rum erst freigegeben werden, wenn er mindestens zwei Jahre in Holz gelagert hat. Fachmedien beschreiben die Zwei-Jahres-Regel als Maßstab, der auch für australischen Rum gilt. Ein Zuckerrohrbrand, der kürzer lagert, heißt dort nicht Rum.
Bundaberg nutzt das Minimum als Untergrenze. Der Rohrum lagert nach Angaben des Hauses mindestens zwei Jahre in Fässern aus Weißeiche, bevor er weiterverarbeitet wird. Nach einer Beschreibung des Herstellungsprozesses reift der Rum in einer Umgebung mit geregelter Temperatur. Proben werden regelmäßig geprüft.
Eichenholz gibt dem Brand Vanille, Gewürznoten und Farbe, lässt ihn aber auch atmen: Durch das Holz dringt Sauerstoff, der die Aromen rundet. Weißeiche ist dafür verbreitet, weil das Holz dicht ist und Fässer daraus kaum lecken.
Jedes Jahr geht ein Teil des Fassinhalts durch das Holz verloren, der „Angel’s Share“. In Schottland sind es laut Fachpresse etwa zwei Prozent im Jahr, in warmem Klima ein Vielfaches davon. Wer in einem Land mit heißen Sommern lagert, hat bei gleichem Alter weniger Rum im Fass und mehr Holzeinfluss im Glas.
Die Master Distillers’ Collective, die 2011 mit drei Rums startete, zeigt die Bandbreite: einen Rum mit zehn Jahren Alter, den Port Barrel, der seine Fassart schon im Namen trägt, und den Golden Reserve.
In der EU gilt für jede Altersangabe eine klare Regel: Genannt werden darf nur das Alter des jüngsten Bestandteils der Mischung. Eine Zehn auf dem Etikett bedeutet dort also, dass alles in der Flasche mindestens zehn Jahre im Fass lag, und die Reifung muss unter Zollkontrolle erfolgt sein.