
Bourbonfass im Tropenlager
Fass & Klima
Ein Rum, der auf Barbados im Fass liegt, altert schneller als ein Whisky in Schottland. Die Wärme treibt den Alkohol tief ins Holz, löst Vanille, Röststoffe und Gerbstoffe, und auch Sauerstoff wirkt mit. Die gleiche Wärme lässt aber auch Rum verdunsten. Fachpresse nennt für die Karibik oft um die acht Prozent im Jahr, gegenüber etwa zwei Prozent in Schottland.
Als Fässer dienen vor allem gebrauchte Bourbonfässer aus amerikanischer Eiche. Für den Mount Gay Eclipse Black nennen die Importeure Fässer aus Kentucky, in denen die Rums zwei bis sieben Jahre lagen. Auch St Nicholas Abbey reift nach Angaben des Hauses in gebrauchten Bourbonfässern. Gebrauchte Fässer geben weniger Holzgeschmack ab als neue, der Rum bleibt dadurch fruchtiger und runder.
Beim Abfüllen kommt das Wasser ins Spiel. Rum wird nach der Reifung auf Trinkstärke verdünnt, und Mount Gay nennt dafür das gefilterte Wasser aus dem Korallenkalk der Insel. Ob dieses Wasser spürbar schmeckt, ist Ansichtssache, aber es gehört zur Geschichte, die die Häuser erzählen.
Wer ein Alter auf der Flasche liest, sollte die Regeln kennen. Nach EU-Recht darf eine Altersangabe nur den jüngsten Anteil im Verschnitt nennen. Ein Rum mit „12“ auf dem Etikett besteht also ausschließlich aus Rums von mindestens zwölf Jahren. Auch das Reifejahr lässt sich nicht umrechnen: Ein Tropenjahr als drei europäische zu zählen, ist Marketing und chemisch nicht eins zu eins belegt.