
Rund und warm
Rumstil
Barbados gehört zu den Inseln, die dem englischsprachigen Rum seine Richtung gegeben haben, und der Norden zeigt zwei Gesichter davon. Das erste ist der Verschnitt von Mount Gay: Melasse als Rohstoff, ein Brand aus Brennblase und Säule, Reifung im Fass, Abfüllung meist zwischen 40 und 50 Prozent. Das Ergebnis schmeckt rund und warm, mit Vanille, Banane und Orangenschale, aber ohne die wuchtige Estermasse eines Jamaika-Rums.
Das zweite Gesicht ist der Rum einer kleinen Brennerei wie St Nicholas Abbey, die mit eigenem Rohr arbeitet. Hier steht der Sirup am Anfang, und das Destillat bringt mehr vom Zuckerrohr mit: Honig, Gras, ein Hauch Gewürz. Es ist ein Rum, der nach dem Feld schmeckt, von dem er kommt. Gerade diese Nähe zum Rohstoff macht kleine Brennereien für Kenner des Barbados-Stils zu einem eigenen Kapitel neben den großen Verschnitten.
Der Unterschied zum Rhum Agricole liegt im Rohstoff und im Recht. Agricole ist ein geschützter Begriff der französischen Antillen und meint reinen Rohrsaft. Ein Rum aus Sirup darf sich in der EU nicht so nennen, auch wenn er nach Zuckerrohr schmeckt. Gegenüber dem leichteren Rum aus Kuba oder Puerto Rico hat der Barbados-Stil meist mehr Körper.
Eine Herkunftsregel, die den Stil festlegt, ist für Barbados seit Jahren im Streit. Wer einen Rum von der Insel einordnen will, schaut deshalb weniger auf den Inselnamen als auf den Brenner, das Alter und die Frage, ob Melasse oder Sirup am Anfang stand.
Barbados Pot-und-Säule-VerschnittMelasse · Brennblase und Kolonne
- Alkohol
- 40–50 % vol
- Reife im Fass
- 2–15 Jahre
Rund und warm, Vanille, Banane, Orangenschale, mittlere Ester, weicher Abgang.