
Kein Brennhaus
Brennen
Zwei Arten von Alkohol treffen in einem Flensburger Rum-Verschnitt aufeinander. Der eine ist Rum aus der Karibik, gebrannt in Brennblasen aus Kupfer oder in Kolonnen. Der andere ist Neutralalkohol, den eine Kolonne bis fast auf Reinheit getrieben hat.
Brennblasen, englisch Pot Stills, arbeiten Charge für Charge und lassen viel vom Aroma der Gärung im Destillat. Kolonnen laufen ununterbrochen und liefern ein leichteres, reineres Ergebnis. Rum darf nach EU-Recht nur bis unter 96 Prozent Alkohol gebrannt werden, damit der Rumcharakter erhalten bleibt.
Neutralalkohol liegt darüber. Das Gesetz nennt ihn Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs, geschmacklich bleibt von ihm fast nichts. Im Verschnitt streckt er den Rum: Er liefert Alkohol, aber kaum Aroma, und macht das Getränk milder.
In Flensburg steht deshalb kein Brennhaus. Die Häuser arbeiten mit Fässern und Mischbehältern, nicht mit Feuer. Im Rum-Manufaktur-Museum bei Braasch sind alte Maschinen zu sehen, mit denen früher Zuckerrohr verarbeitet und Maische destilliert wurde, dazu historische Flaschen aus der Sammlung des Destillateurs Walter Braasch.
Die Stärke entscheidet über den Namen. Mindestens 37,5 Prozent muss ein Rum-Verschnitt haben, üblich sind 40 bis 42. Der Rum wurde in der Stadt mit Wasser auf Trinkstärke gebracht, und genau dieser Schritt macht aus dem Importgut ein Flensburger Erzeugnis. Wie viel Rum im Verschnitt steckt und aus welcher Brennerei er stammt, entscheidet jedes Haus selbst. Eine Vorschrift dazu gibt es nur für den Mindestanteil.