
Vulkan und Rohr
Region & Geschichte
Wer wissen will, was Rum aus Guadeloupe ausmacht, schaut auf die Basse-Terre, die gebirgige westliche Hälfte der Insel. Hier ragt der Vulkan La Soufrière knapp 1500 Meter hoch, hier regnet es viel, und an den Hängen wachsen Zuckerrohr und Bananen nebeneinander. Rhum de la Guadeloupe trägt eine geschützte geografische Angabe, aber keine AOC.
Das Zuckerrohr kam im 15. Jahrhundert mit den Europäern in die Karibik, 1635 begannen Franzosen die Besiedlung Guadeloupes. Auf den Plantagen arbeiteten versklavte Menschen aus Afrika, sie pflanzten, schnitten und verarbeiteten das Rohr unter Zwang. Als Napoleon 1802 die Sklaverei wieder einführte, leistete der Offizier Louis Delgrès bewaffneten Widerstand und starb mit seinen Anhängern bei Matouba, nicht weit von Basse-Terre. Endgültig abgeschafft wurde sie 1848.
Die Brennerei Bologne in Rivière des Pères bei Basse-Terre führt ihr Gut nach eigenen Angaben bis 1654 zurück. 1830 kaufte es Jean-Antoine Amé Noël, der als erster Farbiger zu den großen Grundbesitzern der Insel gezählt wird. Erst 1887 wurde aus der Zuckerplantage eine Rumbrennerei. Heute gehört sie in vierter Generation der Familie Sargenton-Callard.
In Capesterre-Belle-Eau machte Henri Longueteau nach Angaben des Hauses 1895 aus einer alten Zuckerfabrik eine Brennerei für Saftrum, 1916 folgte in Sainte-Rose die Brennerei Reimonenq. Montebello in Petit-Bourg arbeitet seit 2016 unter Grégory Marsolle, und die Marke Karukera belebte 2005 Grégoire Hayot neu. Zusammen bilden diese fünf Namen das Gerüst der Basse-Terre: vier Brennereien und ein Veredler, der selbst nicht brennt.
Seit 1989 steht der Name Rhum de la Guadeloupe als geschützte geografische Angabe im EU-Register. Er erlaubt die Zusatzangaben „agricole“ und „de sucrerie“, je nachdem, ob Saft oder Melasse im Kessel landet. Eine AOC wie auf Martinique, die es nur dort gibt, kennt die Insel nicht.