
Holz im Regen
Fass & Klima
Wie lange muss Rum reifen? Der weiße Rhum agricole gar nicht, er kommt nach kurzer Ruhe in den Handel. Die g.A. Rhum de la Guadeloupe kennt dafür drei Kategorien, blanc, élevé sous bois und vieux. „Élevé sous bois“ heißt, dass der Rum im Holz ausgebaut wurde, „vieux“ steht für länger gereifte Abfüllungen.
Gereift wird häufig in gebrauchten Bourbonfässern aus amerikanischer Weißeiche, bei französischen Rums auch in Cognacfässern. Das Holz gibt Vanille, Gewürz und Röstnoten ab und rundet den Rum. Longueteau führt Linien wie Harmonie und Genesis und hat im Sortiment einen sechsjährigen Rhum vieux.
Das Klima verändert die Reifung. Auf der Basse-Terre bleibt die Luft feucht, im Gebirge fallen mehrere Meter Regen im Jahr, und die Wärme treibt den Rum tief ins Holz. Auf der Basse-Terre gehen im Fass oft um die acht Prozent im Jahr verloren, ein Vielfaches des schottischen Werts. Die Franzosen nennen diesen Verlust part des anges, den Anteil der Engel.
Weil das Holz so schnell arbeitet, wird oft die Faustregel genannt, ein Jahr in den Tropen zähle wie mehrere in Europa. Sie stammt aus der Werbung und stimmt chemisch nicht genau. Verbindlich ist nur das Etikett: Eine Altersangabe bezieht sich in der EU immer auf den jüngsten Rum im Verschnitt. Steht dort sechs Jahre, ist jeder Tropfen mindestens sechs Jahre gereift.
Karukera macht aus der Reifung ein eigenes Handwerk. Das Haus bezieht Destillat von Brennereien der Insel und führt Ausbau und Veredlung selbst durch, innerhalb der Regeln der g.A. Die Marke stammt nach Angaben aus den 1970er Jahren. Zwischen Fass und Flasche liegen oft Mischungen aus mehreren Jahrgängen, deren Alter nach der jüngsten Komponente beschriftet wird.