
Agricole der Insel
Rumstil
Agricole oder de sucrerie, das entscheidet über den Charakter. Rhum agricole aus Zuckerrohrsaft riecht nach frisch geschnittenem Rohr, nach Gras, Blüten und schwarzem Pfeffer. Rum aus Melasse, bei der g.A. „de sucrerie“ genannt, wirkt dunkler und runder, mit Noten von Karamell, Lakritz und gebrannter Zuckerkruste.
Die Basse-Terre ist Agricole-Land. Bologne, Longueteau und Reimonenq brennen Saftrum, jedes Haus mit eigener Handschrift: schnell vergoren und grasig bei Reimonenq, aus Schwarzrohr bei Bologne, mit Parzellenabfüllungen bei Longueteau. Montebello in Petit-Bourg stellt weiße Rums mit langer Gärzeit und gezielter Sortenwahl her. Wer mehrere nebeneinander probiert, merkt, wie viel Spielraum auch ein reiner Saftrum hat.
Der Leitstil in der Flasche ist der Rhum agricole blanc, ungereift, klar, mit mindestens 40 Prozent Alkohol. Er schmeckt lebendig und pflanzlich und verträgt Wasser gut. Der gereifte Verwandte, Rhum élevé sous bois oder vieux, wird goldfarben bis mahagoni, riecht nach Vanille, Gewürz und getrockneten Früchten und behält doch einen Rest Rohrgeruch.
Gegenüber dem Agricole von Martinique, der unter der AOC streng geregelt ist, lässt die Guadeloupe-g.A. mehr Spielraum, etwa beim Brenngerät: Neben Säulen sind Brennblasen mit Kolonnenaufsatz erlaubt, während die AOC die Kreolsäule vorschreibt. Auf dem Etikett darf das Wort „agricole“ in der EU überhaupt nur bei Rum aus den französischen Überseedepartements und von Madeira stehen.
Die Unterschiede lassen sich nicht an der Farbe ablesen. Ein weißer Rum kann gereift und gefiltert sein, ein brauner kann jung und gefärbt sein, denn Zuckerkulör ist als Farbstoff erlaubt. Nur die Altersangabe sagt, wie lange der Rum im Fass lag.
Rhum agricole blanc (Guadeloupe)Zuckerrohrsaft · Kolonne
- Alkohol
- 40–55 % vol
- Reife im Fass
- 0 Jahre
Ungereift und klar, frisches Rohr, Gras und Pfeffer, trocken und lebendig im Abgang.