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Region & Geschichte in der Region Marie-Galante

Mühlen, drei Brennereien

Region & Geschichte

Rum aus Marie-Galante stammt von einer Insel, die ihren Namen einem Schiff verdankt. Christoph Kolumbus erreichte sie 1493 auf seiner zweiten Reise und taufte sie nach der Marigalante, einem seiner Schiffe. Die runde Kalkinsel liegt südlich von Grande-Terre, misst nur etwa fünfzehn Kilometer im Durchmesser und gehört zum Département Guadeloupe.

Franzosen siedelten ab 1648 auf der Insel, und mit ihnen kam das Zuckerrohr. Der Reichtum der Pflanzer beruhte hier wie auf allen Antilleninseln auf der Arbeit versklavter Menschen, die aus Westafrika verschleppt worden waren. Sie schnitten das Rohr, fütterten die Mühlen und hielten die Siedekessel in Gang. Als man 1830 zählte, drehten sich auf Marie-Galante 106 Windmühlen.

Daher stammt der Beiname Île aux cent moulins, Insel der hundert Mühlen. Er ist keine Übertreibung, sondern eine Zählung, die bald zwei Jahrhunderte zurückliegt. Etwa siebzig der steinernen Mühlentürme stehen heute noch, eine davon gleich neben der Brennerei Bellevue.

Die Brennereien von heute haben verschiedene Wurzeln. Das Haus Bielle führt sich auf Jean-Pierre Bielle zurück, der 1769 auf der Insel Kaffee anbaute. 1826 gründeten seine Söhne auf 53 Hektar eine Zuckerfabrik mit Raffinerie. Gebrannt wird dort nach Angaben des Hauses seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Poisson, die Brennerei hinter der Marke Père Labat, liegt wie Bielle bei Grand-Bourg. Bellevue arbeitet bei Capesterre als unabhängiger Familienbetrieb.

Eine eigene Herkunftsbezeichnung nur für die Insel gibt es nicht. Ihre Rums laufen unter der geschützten Angabe Rhum de la Guadeloupe, die Marie-Galante ausdrücklich einschließt. Eine AOC wie auf Martinique fehlt. Auf dem Etikett darf „agricole“ nur stehen, wenn ausschließlich Zuckerrohrsaft vergoren wurde, und genau das tun alle drei Häuser.

Dazu im Lexikon

Was Rhum agricole ausmacht und woher er kommtWas Rum rechtlich ist
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