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Zuckerrohr & Melasse in der Region Marie-Galante

Rohr, Wind, Ochsen

Zuckerrohr & Melasse

Auf Marie-Galante fährt das Zuckerrohr noch heute auf Karren zur Mühle, die von Ochsen gezogen werden. Die Tiere sind den Bauern so wichtig, dass sie bei einem bunten Umzug gefeiert werden. Wer den Rhum agricole der Insel verstehen will, beginnt bei diesem Rohr, denn aus nichts anderem entsteht er.

Die Insel ist flach gewölbt. Hinter der Küste steigt das Land zu den Hauts an, einem Plateau von durchschnittlich 150 Metern Höhe, das am Morne Constant mit 204 Metern seinen höchsten Punkt erreicht. Darunter liegt Kalkstein. Die Brennerei Père Labat gibt an, ihr Rohr wachse ohne künstliche Bewässerung, allein vom Regen.

Früher presste der Passat den Saft. Er drehte die Flügel der Mühlentürme, und die Flügel bewegten die Walzen, zwischen denen die Halme zerquetscht wurden. Heute übernehmen Motoren diese Arbeit. Bielle presst nach eigener Darstellung mit zwei Mühlen.

Der frische Saft heißt auf Französisch vesou, und er hat es eilig. Die Brennereien der Insel pressen das Rohr nach eigenen Angaben innerhalb von 24 Stunden nach dem Schnitt, weil der Zucker im liegenden Halm rasch verloren geht. Gebrannt wird deshalb nur in der Kampagne, die auf Marie-Galante etwa von Februar bis Juni dauert.

Der Brenner hat grundsätzlich drei Rohstoffe zur Wahl. Saft ist der frische Presssaft. Sirup ist eingedickter Saft. Melasse ist der zähe, dunkle Rest, der nach dem Auskristallisieren des Zuckers übrig bleibt. Auf Marie-Galante machen alle drei Häuser Rhum agricole, also Rum aus Saft. Das gibt dem weißen Brand die Frische, die Melasserum selten hat: frisch gepresstes Rohr, Pfeffer, Zitrus und eine mineralische Note, wie sie bei Père Labat beschrieben wird.

Dazu im Lexikon

Wie sich Saftrum und Melasserum unterscheidenWie viel Zucker im Rum stecken darf
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