
Hitze im Fass
Fass & Klima
Wer Jamaica Rum sagt, meint rechtlich auch das Fass: Die Herkunftsbezeichnung verlangt Reifung auf der Insel in Eichenfässern mit höchstens 250 Litern. Bei Rum aus Clarendon oder Lluidas Vale heißt das, dass ein gereifter Brand seine Jahre im jamaikanischen Klima verbracht hat, nicht in einem kühlen europäischen Lager.
Die Tropenwärme beschleunigt, was im Fass geschieht, und sie kostet Rum. Oft um die acht Prozent des Fassinhalts verdunsten pro Jahr, in Schottland deutlich weniger. Wie viel es in einem bestimmten Lagerhaus wirklich ist, hängt von Lage, Fassgröße und Luftzug ab, und genaue Messwerte der Betriebe aus Clarendon liegen nicht vor.
Der wichtigste Rum der Region kommt gar nicht aus dem Fass. Wray & Nephew White Overproof und Rum-Bar werden ungereift abgefüllt, hier zählt der Brand selbst. Gereift wird dennoch: Clarendon hält Rum für die Marke Monymusk zurück, und Worthy Park nennt unter anderem eine Single Estate Reserve, für die Händler gebrauchte Bourbonfässer angeben.
Die Farbe sagt auch hier wenig über das Alter. Nach dem Brennen dürfen Jamaika-Rums nur Wasser und Zuckerkulör bekommen. Mit dem Kulör lässt sich ein junger Rum dunkler färben, während ein heller Rum durchaus länger im Fass gelegen haben kann.
Wer ein Alter nennt, muss sich in der EU auf den jüngsten Anteil im Verschnitt beziehen. Selbst wenn in einer Mischung Jahrzehnte alter Rum steckt, zählt auf dem Etikett das jüngste Fass. Das ist wichtig bei Bulk-Rum, der als Mischung von Marken weiterverarbeitet wird, denn dort steht am Ende nur die Zahl, die für den jüngsten Teil belegt ist.