
Mühlen am Meer
Region & Geschichte
Rhum agricole aus Martinique hat als einziger Rum der Welt eine AOC, eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung nach französischem Recht. An der Atlantikküste im Nordosten der Insel, zwischen Sainte-Marie, Macouba und La Trinité, arbeiten drei Betriebe, die zeigen, wie weit Rum aus Zuckerrohr auseinanderliegen kann: Saint-James, JM und die Zuckerfabrik Le Galion.
Zuckerrohr wird auf Martinique ab etwa 1640 angebaut. Es wuchs auf Plantagen und wurde von versklavten Menschen geschnitten und verarbeitet, die man aus Afrika verschleppt hatte. Erst 1848 endete die Sklaverei in den französischen Kolonien. Ende des 19. Jahrhunderts war die Insel mit über 220 000 Hektolitern Rum zu 55 % vol der größte Rumproduzent der Welt.
Saint-James führt seine Gründung auf das Jahr 1765 zurück. Nach Angaben des Hauses baute damals Pater Edmond Lefébure oberhalb von Saint-Pierre eine Brennerei. 1973 übernahm Cointreau das Haus und bündelte die Produktion in Sainte-Marie, seit 2003 gehört es zu La Martiniquaise, einer Gruppe der COFEPP. Im Herrenhaus der früheren Zuckerfabrik zeigt ein Rummuseum die Technik dreier Jahrhunderte.
Weiter nördlich, auf der Habitation Fonds-Préville in Macouba am Hang der Montagne Pelée, brennt JM. Das Haus datiert seine Rumbrennerei auf 1845 und leitet den Namen von den Initialen des Gründers Jean-Marie Martin ab. Seit 1914 gehörte der Besitz der Familie Crassous de Médeuil, seit 2002 steht JM bei der Groupe Bernard Hayot, kurz GBH.
Frankreich begrenzte 1922 die Einfuhr von Antillenrum mit einem Kontingent. 1938 entstand die erste analytische Rumdefinition mit einem Mindestgehalt an Aromastoffen, sie ist bis heute die Grundlage. Das Dekret vom 5. November 1996 erkannte die AOC „Rhum de la Martinique“ an, auf EU-Ebene ist der Name seit 1989 als geografische Angabe geschützt. Die Bucht von Le Galion hat seit 2008 zusätzlich eine eigene Angabe für Melasserum. Im Jahr 2026 waren auf der Insel sieben Brennereien aktiv.