
Stadt unter Asche
Region & Geschichte
Rum aus der Nord-Caraïbe Martiniques hat eine Geschichte, die an einem einzigen Vormittag abbricht und danach neu beginnt. Am 8. Mai 1902 explodierte die Montagne Pelée über Saint-Pierre, eine Glutwolke tötete in wenigen Minuten schätzungsweise 29 000 bis 30 000 Menschen. Gouverneur Louis Mouttet hatte die Einwohner trotz wochenlanger Warnzeichen in der Stadt gehalten, weil Wahlen bevorstanden. Namentlich bekannt sind nur drei Überlebende, einer von ihnen, Ludger Sylbaris, saß in einer Gefängniszelle.
Davor war Saint-Pierre das „Petit Paris der Antillen“, die reiche Handelsstadt der Insel. Ihren Wohlstand verdankte sie dem Zuckerrohr auf den Plantagen im Umland, angebaut und verarbeitet von versklavten Menschen, bis die Sklaverei 1848 abgeschafft wurde.
Wie kam die Brennerei Depaz zurück? Nach Angaben des Hauses geht der Hof La Montagne auf das Jahr 1651 zurück. Victor Depaz studierte 1902 in Bordeaux und verlor in Saint-Pierre seine Familie. Sieben Jahre später kehrte er zurück, bepflanzte das geerbte Land, nach Hausangabe 521 Hektar, und vollendete 1917 ein Abbild des Herrenhauses Périnelle, das als Château Depaz bekannt ist. Von den Brennereien der Stadt, deren Zahl das Haus mit 19 beziffert, wurde nach dessen Darstellung nur diese wieder aufgebaut.
Im benachbarten Le Carbet kaufte der Kaufmann Adrien Neisson 1931 das Landgut Thieubert, eine Habitation, wie die Pflanzungen der Insel heißen; 1932 wurde die Brennerei anerkannt. Sie gehört heute zu den letzten familiengeführten Brennereien der Insel: Claudine Vernant-Neisson leitete sie ab 1995, dann übernahm Enkel Grégory.
Beide Häuser liegen in Gemeinden der AOC Martinique, dem Herkunftsschutz seit dem Dekret vom 5. November 1996. Zu den 34 Gemeinden des Gebiets zählen Saint-Pierre und Le Carbet. Von den sieben aktiven Brennereien der Insel stehen zwei hier am Fuß des Vulkans.