
Rum aus Mauritius
Region & Geschichte
Hoch über der Küste im Südwesten von Mauritius liegt das Dorf Chamarel, bekannt für seine siebenfarbige Erde und für den Rum, der dort seit 2008 gebrannt wird. Rund um den Ort wachsen Zuckerrohr und Ananas. Benannt ist das Dorf nach einem Franzosen, der um 1800 dort lebte und den größten Teil des Landes besaß.
Das Zuckerrohr kam mit den Niederländern, die Mauritius von 1638 bis 1710 besetzt hielten. Sie ließen daraus vor allem Arrak brennen, und sie brachten versklavte Menschen auf die Insel, die das Rohr anbauen und verarbeiten mussten. Später machten Franzosen und Briten den Zucker zu einem Grundpfeiler der Inselwirtschaft. Nach dem Ende der Sklaverei arbeiteten Vertragsarbeiter aus Indien auf den Feldern.
Rum blieb dabei lange Nebensache. Bis 2006 durfte auf Mauritius kein Zuckerrohrsaft gebrannt werden, weil die Insel so stark an der Zuckerindustrie hing; der Rum kam aus Melasse, dem dunklen Rest der Zuckerfabrik. Dann hob die Regierung das Verbot auf. Neue Brennereien entstanden, und ältere Häuser erweiterten ihr Angebot.
Einen eigenen Herkunftsschutz hat Rum aus Mauritius im EU-Register nicht. Für den Verkauf in der EU gilt deshalb die allgemeine Rumdefinition: Zuckerrohrsaft, Melasse oder Sirup, mindestens 37,5 Prozent Alkohol, keine Aromen. Das Wort agricole ist in der EU den geschützten Angaben der französischen Überseedepartements und Madeiras vorbehalten. Ein Saftrum von der Insel darf es dort nicht tragen, auch wenn man ihn vor Ort so nennt.
Im Süden und Südwesten arbeiten heute vor allem zwei Häuser: die Rhumerie de Chamarel, deren Marke 2009 mit den ersten Abfüllungen startete, und das Gut Saint Aubin, das seine Geschichte bis 1819 zurückführt. Die klassischen Melasse-Brennereien der Insel liegen im Norden.