
Holz im Tropenklima
Fass & Klima
In Chamarel gehen die Destillate nach der Ruhe in Fässer unterschiedlicher Herkunft. Ein Jahrgang 2012 liegt beispielsweise als Einzelabfüllung mit 55 Prozent Alkohol aus einem Moscatel-Fass vor, also aus einem Fass, in dem zuvor ein süßer Wein aus Muskat-Trauben reifte. Das Holz gibt dem Saftrum Süße und Gewürz mit, ohne die Rohrnote ganz zu verdecken.
Im warmen Klima der Insel arbeitet das Holz schneller als in kühlen Ländern. Zugleich verdunstet mehr Rum aus dem Fass: in tropischen Lagern oft um die acht Prozent im Jahr, in Schottland dagegen etwa zwei. Diesen Verlust nennt die Branche Angel's Share, den Anteil der Engel. Er zwingt dazu, Rum früher abzufüllen, als man es aus Europa gewohnt ist.
Wer auf dem Etikett eine Altersangabe liest, kann sich in der EU auf eine feste Regel verlassen: Sie muss sich auf den jüngsten Rum in der Mischung beziehen, und die Reifung muss unter Steueraufsicht stattgefunden haben. Ein Verschnitt aus einem zehn Jahre und einem zwei Jahre alten Rum darf also nur als Zwei-Jahres-Rum auftreten.
Kürzel wie VSOP oder XO gehören bei Rum von Mauritius dagegen zu den Handelsbegriffen. Chamarel bietet eine VSOP-Abfüllung an. Das Kürzel klingt nach Cognac und sagt bei diesem Rum nichts Verbindliches über die Jahre im Fass; wer es genau wissen will, sucht die Jahreszahl auf dem Etikett.
Die Vanille-Rhums reifen nicht im klassischen Sinn. Bei ihnen ziehen die Schoten im Rum, das ist ein Ansatz und keine Fassreife. Die Zeit im Glas verändert hier vor allem die Intensität der Vanille, nicht den Grundcharakter des Brandes. Bei Saint Aubin wächst die Vanille zwischen den Rohrfeldern des Gutes.